Warum setzen wir uns Ziele?

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Gestern Abend saß ich mit einem Freund zusammen, als er plötzlich sagte: „Weißt du, ich glaube, du gehst ganz anders durch deinen Tag als ich und nimmst alles ganz anders wahr!“ „Was meinst du damit?“, wollte ich wissen. „Naja, dadurch dass du deinen Blog schreibst und auf so viele Kleinigkeiten Wert legst, stellst du dir Regeln auf und bist viel achtsamer.“ „Soll das jetzt ein Vorwurf sein?“, schrie unmittelbar der kleine Ego-Teufel in mir.

Natürlich war es kein Vorwurf. Wir unterhielten uns weiter darüber, wie unterschiedlich Menschen doch leben. Während Manche (so wie ich) total Wert darauf legen, bestimmte Gewohnheiten im Alltag einzuhalten und dauerhaft auf einem Weg der Selbstoptimierung sind, macht es Andere glücklich, einfach in den Tag reinzuleben. Beides ist gut, solange man selbst damit zufrieden ist. Aber: was steckt eigentlich dahinter, wenn Menschen sich ständig neue Ziele stecken?

Neulich erwischte mich eine eigentlich glasklare Erkenntnis an gleich zwei aufeinanderfolgenden Tagen.
Ich besuchte einen Yogakurs im Fitnessstudio. Nach Ende der Stunde fragte die Yogalehrerin mit leicht sarkastischem Ton, wie unsere Neujahrsvorsätze denn liefen. „Ich nehm mir gar keine Vorsätze mehr vor“, schallte es direkt aus dem anderen Ende des Raumes. „Ich hab dieses Jahr nur ein Ziel: glücklich sein“, sagte eine andere Teilnehmerin schüchtern.

„Ist es nicht das, was wir uns alle herbeisehnen, wenn wir uns Vorsätze vornehmen?“, gab unsere Yogalehrerin uns zu denken.
Am nächsten Morgen hörte ich auf dem Weg zur Arbeit einen Podcast. Auch hier ging es wieder darum, welchen Zweck unsere Ziele haben.

Irgendwie hatte ich davor nie so wirklich darüber nachgedacht und doch fiel es mir auf einmal wie Schuppen von den Augen. Ich erinnerte mich an das gute Gefühl, dass ich immer hatte, wenn ich eine Prüfung geschafft hatte, auf die ich mich besonders lange vorbereitet habe, wenn ich die 5kg, die ich mir vorgenommen hatte, wirklich verloren habe oder wenn ich den Praktikumsplatz, für den ich so lang gekämpft hatte, endlich bekommen habe.

Es war das gleiche wunderbare Gefühl. Immer und immer wieder. 

Und genau darum geht es: wenn wir uns ein Ziel setzen, dann sehnen wir uns damit ein Gefühl herbei. Ein Gefühl des Stolzes, ein Gefühl des Glücks. Wir wissen in diesem Moment, dass wir uns weiterentwickelt haben.

Wenn ich Leute nach dem Geheimnis ihres Glücks frage, dann läuft es häufig auf die gleiche Antwort hinaus: Wachstum. Persönliches Wachstum. Lebenslanges Lernen. Das, was mich am glücklich sein hindert, ist Stagnation.

Ich erwische mich eigentlich jede Woche dabei, wie ich mir neue Ziele setze. In einem Chor singen, einen Tanzkurs machen, Sprachen lernen. Und jedes Mal sitze ich vor meinem Laptop mit einem Kribbeln im Bauch, wenn ich nach Möglichkeiten recherchiere, wie ich dieses Ziel umsetzen kann. Dann bin ich lebendig. Dann bin ich glücklich.

Was mir sehr dabei geholfen hat, diese Ziele umzusetzen, ist, sie mir im Wochen- und Monatsrhythmus aufzuschreiben. Durch das aufs Papier bringen werden sie realistischer. Meist mache ich mich just nach dem Aufschreiben an die Umsetzung. Mein Kalender erinnert mich glücklicherweise regelmäßig daran.

Natürlich gehört es zum Wachstum auch dazu, ab und an stolz zu sein, auf das, was man schon erreicht hat. Neben Phasen der starken Weiterentwicklung muss es auch Momente des Innehaltens geben. Es muss Phasen geben, in denen ich nicht ein Buch nach dem anderen verschlinge, sondern meine Zeit mit Dingen verbringe, die vorausschauend nicht am sinnvollsten sind, mich dafür aber in diesem Moment glücklich machen. Tage, an denen ich nur ungesund esse, obwohl ich wieder fitter werden wollte. Abende, die ich auf Hauspartys verbringe, anstatt den fünften Tag in Folge zu lernen. Auch hier gilt: die Balance ist der Schlüssel.

Solange du deinem 80jährigen Ich eine Entwicklung bescherst, auf die es stolz sein wird, machst du alles richtig. 🙂

 

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. goldenmelancholy sagt:

    Schöner Beitrag und tolle Tipps! Liebe Grüße, Julia

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    1. Kira sagt:

      Liebe Julia, vielen Dank für dein Feedback! Kira

      Gefällt 1 Person

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