Von der Sehnsucht der großen weiten Welt

Hast du schon mal einen Ort verlassen, an dem du glücklich warst?

Gerade verbringe ich meine (vorerst) letzten Wochen hier in Hamburg. Ich habe mich recht kurzfristig dazu entschieden, Hamburg zu verlassen und doch (oder genau deshalb) fällt es mir auf den letzten Metern gar nicht so leicht.

Von der Sehnsucht der großen weiten Welt

Als ich 2012 Abi machte, wusste ich nicht genau, was ich machen wollte. Studieren, das war klar. Aber nicht, weil ich genau wusste, wohin ich mich beruflich mal orientieren möchte, sondern weil ich raus wollte in die große Welt. Dresden wurde es damals. Nicht die größte Stadt und auch kein unbekanntes Land, aber ich glaub‘ es sollte auch so sein – ich machte meine ersten Erfahrungen in einer Stadt, in der ich niemanden kannte. Anfänglich konnte das hart sein, wenn ich am Wochenende allein da saß und niemanden hatte, den ich mal schnell sehen konnte. Nach und nach baute ich mir aber einen Freundeskreis auf und lebte mich in drei Jahren ziemlich gut ein.

Während ich nach dem Abi so gar kein Verlangen danach hatte, ins Ausland zu gehen, war es nach dem Bachelor klar, dass ich weit weg wollte. Europa das erste Mal verlassen. Neue Kulturen kennenlernen und ein anderes Ende der Welt sehen. Mit einer Freundin ging es für drei Monate nach Thailand und Bali. Das waren die ersten Berührungspunkte mit Menschen aus anderen Ländern.

Introvertiert sein

Als ich ganz klein war, bin ich immer ganz offen auf fremde Leute zugegangen. Meine Eltern erzählen gern die Geschichte von einem Urlaub in den 90ern, als wir auf einem Schiff über einen See geschippert sind und ich alle Menschen mit großen Augen angestarrt habe und zugelächelt habe. Sie müssen immer schmunzeln, wenn sie davon berichten, wie schnell ich fremde Leute in den Bann ziehen konnte.

Als ich ein bisschen älter wurde, wurde ich unsicherer – wahrscheinlich geht es fast jedem pubertierenden Mädchen so. Wenn ich fremde Menschen kennenlernte war ich immer schüchtern und in größeren Gruppen eher die ruhige Person. Ich versteckte mich gern hinter meiner Mutter, meinem Freund, extrovertierteren Freunden und wusste mich auch nicht so richtig zu verhalten, wenn ich jemanden Neues kennenlernte.

Begib dich in Umgebungen, vor denen du Angst hast

Seit 2014 arbeite ich für ruf als Teamerin. Was damals eher eine Idee zwischen Tür und Angel war, weil ich meine Semesterferien gern in wärmeren Ländern verbringen wollte und für Urlaub nicht wirklich Geld über hatte, erwies sich als kleiner Meilenstein für meine Entwicklung. Im ersten Jahr, da war das irgendwie nix. Auch im zweiten Jahr hatte ich Probleme, aus mir heraus zu kommen. Wie man sich gut vorstellen kann, ist so ein Job natürlich wenig erfolgreich, wenn man auf andere in sich gekehrt wirkt.

Als ich letztes Jahr meinen Job hier in Hamburg anfing, war ich so begeistert und trotzdem irgendwie unbeholfen. So viele junge Menschen mit so viel Selbstbewusstsein um mich herum! Das fand ich toll, aber das machte mir auch irgendwie Angst. Ich wusste, dass ich offener und selbstsicherer werden musste. Recht schnell kam zum Glück der Punkt, an dem es mir leichter fiel, auf andere zuzugehen.

Im August ging es dann wieder nach Spanien und das erste Mal in meiner ruf-Zeit hatte ich das Gefühl, mit den anderen Teamern auf einer Wellenlänge zu sein.
Irgendwie hat mich mein jetziger Job so wachsen lassen, dass es mir mittlerweile richtig Freude bringt, neue Leute kennenzulernen.

Ein bisschen mehr als ein Jahr lebe ich nun in Hamburg und habe in der Zeit so unfassbar großartige Menschen kennengelernt. Solche, mit denen man vom ersten Moment an auf einer Wellenlänge schwingt. Natürlich auch solche, mit denen es eben nicht so passt. Das gehört meines Erachtens dazu, denn umso mehr man sich mit seinen Werten auseinandersetzt, desto eher weiß man auch, mit wem es passt.

Vertraue deiner Intuition

Als ich vor ungefähr einem Monat entschied, meinen Job zum Ende März zu beenden, wusste ich nicht genau, was kommt. Ich hatte mich auf einen Master hier in Hamburg beworben. Als von dort eine Absage kam, begleitete mich tagelang ein unangenehmes Angstgefühl. Die Sicherheit herzugeben gegen etwas Unbekanntes ist keine Entscheidung, die man jederzeit gut findet. Manchmal lag ich abends im Bett und dachte mir „was hast du nur getan?“. Doch ich wollte dieser Stimme nicht folgen. Ich wusste die ganze Zeit, dass es die richtige Entscheidung ist. Ich wusste, dass ich nochmal ins Ausland will – dieses Mal allein. Mich in eine neue Umgebung stürzen. Neue Menschen aus anderen Ländern kennenlernen. Auf mich selbst gestellt sein.

Mein Bauchgefühl hat mir zu jedem Zeitpunkt gesagt, dass ich den richtigen Weg gehe. 

Meine letzten Wochen hier in Hamburg, die möchte ich nochmal komplett auskosten. Es ist möglich, dass ich schon bald wieder zurückkomme, aber wer weiß das schon.

Ich glaube, solange man so frei ist, sollte man alles austesten, was geht. Jede Erfahrung mitnehmen, auch wenn sie sich erstmal als schwer erweist.
Und man sollte immer dann gehen, wenn es gerade am Schönsten ist. Bewusst jeden Moment genießen, ihn im Herz behalten und dann weiterziehen. Auf den nächsten unbekannten Weg ins Paradies.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s