Minimalismus

Mitten in meinem Umzug aus Dresden saß ich verzweifelt zwischen all meinem Besitz. Ich war überfordert – was sich für Dinge innerhalb von drei Jahren angesammelt hatten – und wusste nicht, wo ich damit hinsollte. Mein Kinderzimmer in der Heimat sollte während meiner Zeit in Asien als Übergangsort für mein Hab & Gut dienen, und dort war definitiv kein Platz für all die Klamotten, Dekoartikel und den anderen Krimskrams, der sich zusammengesammelt hatte.

Um dieses Problem aus dem Weg zu räumen, mistete ich circa zwei Drittel meines materiellen Besitzes aus. Was sich damals sehr in die Länge zog und mich zwei Tage kostete, bescherte mir danach ein unglaublich befreiendes Gefühl.

Mit nicht mehr so viel (und trotzdem immer noch mehr als genug) Besitz ging es nach meinem kurzen Zwischenstop in Asien und der Heimat letztes Jahr nach Hamburg – Möbel hatte ich nicht mehr, die verkaufte ich damals in Dresden – in ein möbliertes WG-Zimmer. „Sehr praktisch“, dachte ich mir, da nicht klar war, wie lange ich in Hamburg bleiben würde.

Und auch, wenn es an manchen Tagen schöner gewesen wäre, in meinen eigenen Möbeln zu leben, hat es sich doch als unheimlich praktisch erwiesen, nicht wieder ein komplettes Mobiliar zu kaufen. Als meine Entscheidung reifte, Hamburg vorerst wieder zu verlassen und damit einher ging, dass ich vorübergehend meine Sachen wieder zu meinen Eltern bringen würde, war ich froh darüber, mich nicht damit auseinandersetzen zu müssen, was mit meinen Möbeln passiert.

Die letzten Tage verbrachte ich damit, mein Zimmer hier peu à peu auszuräumen. Und auch, wenn es wieder mehr Dinge waren, als ich erwartet hatte, war die Gesamtmenge dieses Mal doch wesentlich überschaubarer als vor 2 Jahren in Dresden.

Wie viel Besitz macht eigentlich glücklich?

Kennst du das Capsule Wardrope Prinzip? Wer sich mit dem Thema Minimalismus schon mal auseinandergesetzt hat, wird wohl darauf gestoßen sein. Der Gedanke hinter diesem Prinzip ist es, den Inhalt seines Kleiderschrankes auf das Minimalste zu reduzieren. Einhergehen sollen damit weniger Stress, weil man sich nicht ständig entscheiden muss, sowie ein verstärkter Fokus auf die Kleidungsstücke, in denen wir uns besonders wohl fühlen.

„Document the moments you feel most in love with yourself – what you’re wearing, who you’re around, what you’re doing. Recreate and repeat.“  (Warsan Shire)

So schön es nämlich auch erscheinen mag, für jeden Anlass ein neues Outfit bereit zu haben, so anstrengend kann es auch sein, jeden Morgen vor einer übertriebenen Fülle an Klamotten zu stehen und wieder nicht zu wissen, was man anziehen soll. Wenn man sich wiederum auf die Kleidungsstücke konzentriert, in denen man sich einfach wohl fühlt, ist man wohl immer gut beraten.

Eine Zahl von 37 Kleidungsstücken soll es sein, die uns am Glücklichsten macht. Dabei geht es vor allem darum, auf Teile zu setzen, die gut kombinierbar sind und sich für möglichst viele Anlässe anbieten. Das heißt dann auch beim nächsten Mal bummeln nicht das nächstbeste Shirt im Sale zu kaufen, sondern sich zu überlegen, ob die Anschaffung wirklich nötig ist. Natürlich heißt das aber nicht, dass ich keine neuen Klamotten mehr kaufen darf – nur wenn, dann sortiere ich ein anderes Kleidungsstück aus. Und an dieser Stelle überlege ich mir dann zweimal, ob ich mein altes geliebtes Shirt wirklich weggeben möchte.

Auch im Zuge meines Umzugs letzte Woche habe ich nochmal großzügig aussortiert. Es gibt immer wieder Klamotten, die ich nicht aussortiere, weil ich denke, dass ich sie zu Anlass XY dann doch nochmal gebrauchen kann – ist in den allermeisten Fällen aber nicht so. Und manchmal, nach drei Jahren, hat sich ein Kleidungsstück auch ausgetragen. Das darf dann mit in den Korb wandern, den ich dann anschließend spende.

Ich tue damit also nicht nur mir selbst Gutes, sondern auch den Menschen, die die Kleidungsstücke viel nötiger haben als ich. Nebenbei spare ich nicht nur Zeit, sondern auch Geld, das ich für Reisen, Unternehmungen mit Freunden und schöne Erinnerungen übrig habe.

In unserer Gesellschaft ist es ein weit verbreiteter Mythos, dass viel Besitz glücklich macht. Das ist aber definitiv nicht so. Wer wenig besitzt, dieses aber schätzt, der ist frei. Und wer frei ist, der ist glücklich!

 

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