Reisen bedeutet auch mal zweifeln dürfen

Reisen, das bedeutet frei sein, sorgenfrei sein, das bedeutet tun, worauf man Lust hat. Reisen bedeutet Sonne und tolle Menschen kennenlernen. Es bedeutet ebenso, sich selbst besser kennenzulernen. Reisen bringt dich an die wunderschönsten Orte und beschert dich mit Momenten vollster Gelassenheit. Reisen bedeutet Glück.

Reisen kann dich aber auch an deine Grenzen bringen. Vielleicht stellst du fest, dass du gar nicht so aufgeschlossen gegenüber anderen Menschen bist wie du dachtest. Vielleicht fühlst du dich falsch, weil du in manchen Momenten doch eher für dich allein sein möchtest und gerade nicht in der Stimmung bist, mit anderen rumzublödeln. Du willst dir nicht eingestehen, dass es auch mal schlechte Tage gibt, wenn du im Paradies auf Erden bist.

Bevor ich nach Südafrika los flog, erreichte mich ein Paket von meiner besten Freundin mit einem Brief und einem Buch. „I thought it was just me (but it isn’t)“ – ein Buch von Brené Brown. Sie schreibt über Scham, was Scham mit uns machen kann. Wenn ich Leuten erzähle, dass ich ein Buch über Scham lese, sehe ich oft die gleiche Reaktion: „Wie kann man 300 Seiten nur mit dem Thema Scham füllen?“. Die Antwort ist: Scham holt uns öfters ein, als wir denken.

Schon bevor ich los flog, machte ich mir Sorgen über mein Englisch. Ist mein Englisch gut genug, um mich mit allen Leuten zu verständigen? Ich denke fast jeder, der das erste Mal allein im Ausland unterwegs ist, kennt das Problem, dass einem in den ersten Tagen nicht jedes Wort geläufig ist und dass man vielleicht nicht immer genau das ausdrücken kann, was man möchte. Das ist ja auch okay. Eigentlich hatte ich mit dem Verstehen keine allzu großen Probleme und solange es mir gut ging und ich gelassen war, konnte ich auch alles kommunizieren, was ich wollte.

Allerdings waren da auch Momente, in denen mir einfach keine Wörter eingefallen sind und ich vor mich hingestottert habe. Und da war dieses Schamgefühl: ich hab mich falsch gefühlt. Was mache ich eigentlich hier, wenn ich nicht mal Englisch sprechen kann? Scham bedeutete in diesen Momenten, unglaublich wütend auf mich selbst zu sein. Auf mein Nicht-Fähig-sein.

Reisen bedeutet, dass man sich weiterentwickelt, neue Dinge lernt, sich verbessert. Das kann manchmal hart sein, wenn man sich selbst zu hohe Ansprüche setzt. Deshalb bedeutet Reisen für mich auch, zu lernen, dass ich einfühlsamer mit mir selbst bin. Dass ich richtig bin, auch wenn ich einen vollkommen falschen englischen Satz raushaue. Dass ich richtig bin, auch wenn ich mal für mich allein sein will. Dass ich mich auch dann mag, wenn andere Menschen mich komisch finden. 🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s