Die Macht deines Umfelds

„Du bist der Durchschnitt der fünf Menschen, mit denen du dich am meisten umgibst.“

Eine altbekannte Behauptung, auf die besonders Menschen mit großem Interesse an Persönlichkeitsentwicklung immer wieder hinweisen. Doch was ist wirklich dran an diesem Mythos?

Ich bin in einem kleinen Dorf groß geworden. Viele der Menschen, die dort wohnen, haben bisher ihr ganzes Leben dort verbracht. Als ich Jugendliche war, da habe ich nicht so viele „große“ Optionen vor mir gesehen, einfach, weil ich niemanden hatte, von dem ich sie mir hätte abschauen können. Diese Heimat zu haben, ist für mich in gewisser Weise ein Ruhepol. Trotzdem ist mir aber auch in den letzten Jahren bewusst geworden, wie viel man erst erreichen kann, wenn man sich mit Menschen umgibt, deren Lebensweg einen inspiriert und von denen man lernen möchte.

Als ich mein Abi gemacht habe, wollte ich eigentlich Psychologie studieren – eigentlich unbedingt. Aber meine Abinote war zu schlecht für den NC, den die meisten Unis für Psychologie in Deutschland erfordern, und irgendwie kam ich gar nicht auf die Idee, mich über Alternativmöglichkeiten zu informieren. In einem anderen Land studieren, vielleicht erstmal praktische Erfahrungen während eines freiwilligen sozialen Jahres sammeln – ich bin mir sicher, es hätte so viele Möglichkeiten gegeben, irgendwie an einen Studienplatz in Psychologie zu kommen. Aber mit meiner 18-jährigen Unbekümmertheit in Kombination mit einem Umfeld, in dem keiner ähnliche Erfahrungen machte, die er hätte mit mir teilen können, habe ich mich damals eben stumpf nach einer Alternative umgesehen und angefangen, Soziologie zu studieren.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass alles, was wir tun, einen Sinn hat und so hat mich dieser Bachelor auf den Weg gebracht, den ich bisher gegangen bin (und wofür ich sehr dankbar bin!), aber dennoch ärgere ich mich manchmal, dass ich das damals einfach so stehen gelassen habe – manche Türen wären jetzt nicht so schwer zu öffnen, wenn ich meinem Herzenswunsch gewollter nachgegangen wäre.

Als ich dann während meines Bachelors in Dresden gewohnt habe, da bin ich die ersten Schritte in Richtung „meine persönliche Wahrheit“ gegangen. Ich habe angefangen, viele Bücher über Spiritualität, Ernährung und Persönlichkeitsentwicklung zu lesen. Damals war ich selten feiern und führte eher ein ruhiges Leben – meine Freunde waren genauso. Mit einem Umzug in eine WG und neuen, extrovertierteren Freunden ging dann ein „lauteres“ Leben einher – ich ging viel mehr aus, lernte mehr Menschen kennen und verbrachte weniger Zeit mit mir allein.

Diese Veränderung wurde mit dem Umzug nach Hamburg vor 1,5 Jahren noch extremer – durch meinen Vollzeitjob, einem Arbeitsplatz mit einem unglaublich tollen Team, bei dem es üblich war, mindestens einmal die Woche abends mit den Kollegen etwas zu unternehmen, hatte ich wenig Abende einfach nur für mich. Diese verbrachte ich meistens eher im Fitnessstudio oder ging laufen – so wirklich Zeit zum Reflektieren und Runterkommen blieb einfach nicht. An den Wochenenden setzte ich mich öfters mal hin und dachte über meine Ziele im Leben nach. Dank meines Coachingkalenders und einiger Bücher, die ich parallel las, blieb mir der Weg, den ich gehen wollen würde immer mindestens ein bisschen im Kopf. Aber trotzdem würde ich sagen, dass ich mich in diesen „lauten“ Jahres ein bisschen selbst verloren habe. Seitdem ich meinen Job verlassen habe, genieße ich es so sehr, endlich wieder 24 Stunden am Tag für meine Ziele und Wünsche zu arbeiten und mich selbst erst wieder so richtig kennenzulernen.

Dadurch, dass ich in den letzten Jahren an verschiedenen Orten gewohnt habe, viel gereist bin und verschiedene Jobs in verschiedenartigen Umgebungen hatte, habe ich die unterschiedlichsten Menschen kennengelernt. Unglaublich viele unglaublich tolle Menschen, die mich zum Teil sehr inspiriert haben.

So bin ich letztes Jahr mehr durch Zufall auf Laura Seiler und damit einhergehend die Awesome People Conference gestoßen. War mein Facebook- und Instagramfeed bis dato nur gefüllt mit Bekannten und Freunden, strotzt er seitdem nur so vor motivierenden und inspirierenden Beiträgen von unbekannten Menschen, die aber einen ähnlichen Lebensstil wie ich führen. Ich würde sagen, dass ich erst seitdem so richtig hungrig durch das Leben gehe und mir plötzlich Ziele setzen, von denen ich vor fünf Jahren nicht mal zu träumen gewagt habe.

Aber es sind eben nicht nur die bewusst gewählten Äußerungen anderer Menschen sowie deren Lebensweg, der mich beeindruckt und die mein Leben beeinflussen. Das Energielevel und die Stimmung der Menschen, mit denen ich viel Zeit verbringe, spielen eine enorm wichtige Rolle.  So merke ich mittlerweile doch recht schnell, mit wem es mir gut tut, Gespräche zu führen, wer mich immer wieder pusht, und wer mir eher meine Energie raubt. Natürlich macht das niemand mit Absicht – die Vorstellungen und Verhaltensweisen mancher Menschen harmonisieren aber einfach nicht mit meinen. Ich habe gelernt, mich von diesen Menschen abzugrenzen und sie trotzdem zu respektieren. Seitdem habe ich viel mehr Energie für all das, was ich erreichen möchte.

Ein anderer wichtiger Punkt ist die Umgebung, in der ich lebe. Damit meine ich sowohl die Wohnung, in der ich wohne, als auch die Stadt. So schön ich meine Heimat auch finde, könnte ich mir nicht vorstellen, in der nächsten Zeit wieder dorthin zu ziehen. Die Möglichkeiten, die man in einer größeren Stadt hat, habe ich in den letzten Jahren viel zu sehr schätzen gelernt. Hingegen brauche ich auch meinen Ruhepol in der Nähe, wenn ich in einer Großstadt wohne. Bin ich es doch von kleinauf gewohnt, immer einen Wald um mich herum zu haben, brauche ich mindestens einen Park in der Nähe, damit ich schnell mal eine Runde laufen gehen kann und meine Energie auftanken kann.

Genauso eine große Rolle spielt die Wohnung – ich mag es, in einer schön eingerichteten, hellen Wohnung zu wohnen und merke, dass ich hundertmal produktiver durch meinen Tag gehe, wenn ich mich wohl fühle. Für mich muss es einfach aufgeräumt sein und ich brauche unbedingt Tageslicht – sonst fehlt mir jegliche Energie. Deshalb habe ich mir für die Zukunft vorgenommen, ein bisschen akribischer bei der Wohnungssuche darauf zu achten, ob diese Kriterien erfüllt sind.

Was ich in den letzten Jahren auf jeden Fall gelernt habe, ist, dass das Leben so viel angenehmer sein kann, wenn man seine Zeit mit denjenigen Menschen teilt, die einen in irgendeiner Form weiterbringen und denen man selbst auch etwas geben kann. Diejenigen, die einem auch mal klar sagen, dass man von seinem Weg abkommt und diejenigen, die einem in einer schlechten Phase den Weg zurück ins Gute zeigen. Wir Menschen sind dafür gemacht uns gegenseitig zu unterstützen anstatt miteinander zu konkurrieren. Deshalb kann ich für mich nur einen Schluss ziehen: ich bin unendlich glücklich, meine liebsten fünf Menschen an meiner Seite zu wissen.

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