Ein Riegel Twix

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Es ist ein lauer Sommerabend. Ich bin zu Besuch in Dresden und sitze mit meinen alten Mitbewohnern am Assieck in der Neustadt. Es ist der letzte Abend meines Besuches und schon den ganzen Tag bin ich glücklich. Glücklich, weil wir so tolle Dinge erlebt haben, ich nun neue tolle Erinnerungen mit mir trage, und weil ich diese Menschen einfach so liebe.

Schon den ganzen Tag habe ich Lust auf eine Falafelrolle und als wir uns entscheiden, uns was zu essen zu holen und uns dann mit einem Bier wieder an den Straßenrand zu setzen, ist sie meine erste Wahl. Nun sitzen wir da, freuen uns über unser Essen, teilen Pommes, reden über Gott und die Welt. Ich bin herrlich zufrieden und genieße diesen Abend in vollen Zügen. Beim nächsten Bier, das wir uns aus dem Späti holen, trifft mich die Lust auf was Süßes – ein Schokoriegel soll her. Zieht der Verkäufer gerade schon 1,20 Euro für mein Bier ab, schiebe ich ihm spontan ein Twix dazu. Und packe es dann ein in meine Handtasche.

Wieder auf unserem Platz angekommen, ziehe ich das Twix aus der Tasche, nehme mir einen der beiden Riegel heraus, und genieße ihn in vollen Zügen. Während mittlerweile auch noch ein anderer alter Freund dazugestoßen ist, geht die Sonne langsam unter und die Straßen der Neustadt füllen sich immer mehr. Nach dem ersten Riegel ist mein Schokihunger schon gestillt, und ich lasse den zweiten zufrieden in meiner Tasche verweilen.

Früher, da hätte es sowas nicht gegeben. Da hätte es nicht an einem willkürlichen Dienstagabend eine Falafelrolle gegeben und wenn ich danach zu Süßigkeiten gegriffen hätte, dann wäre das ausgeartet. Da gab es diese „normalen“ Ernährungsverhaltungsweisen nicht. Ich habe so oft gekämpft, wollte doch einfach nur mal eine ungesunde Sache genießen, aber da gab es nur schwarz oder weiß. Da habe ich mich wochenlang strikt gesund ernährt, bis der Punkt kam, oft ein Abend mit vielen Menschen um mich herum, an dem ich „gesündigt“ habe. Und dann war das nicht nur ein Stück Kuchen oder eine Handvoll Gummibärchen, sondern dann waren das eine halbe Packung Kekse, zwei Eis, ein paar Lachgummis, eine Handvoll Chips, eine Tafel Schokolade, ein paar Nüsse, und so weiter. Dann dachte ich abends, wenn ich im Bett lag, dass ich nun sterben muss. Mir war schlecht und ich wollte gar nicht an das Gefühl beim Aufwachen am nächsten Tag denken.

Wenn ich an diese Momente zurückdenke, bin ich traurig, wie viele schöne Momente ich mir dadurch kaputt gemacht habe. Selten konnte ich so einen Abend richtig genießen und das Mittelmaß finden. So oft habe ich mir gewünscht, dass ich doch bitte nur mal normal essen könnte.

Jetzt gibt es diese Abende, und das macht mich unfassbar glücklich. Als wir an diesem Abend in Dresden weiterzogen zum Billiard spielen, da war mir nach dem zweiten Riegel Twix, und dann genoss ich ihn. Aber dann war es danach auch gut, und mein Bewusstsein lag an diesem Abend auf ganz anderen Dingen – nämlich dem Genuss, all die Leute wiederzusehen und einen wundervollen Abend zu verbringen.

Ein Riegel Twix, das mag für andere so banal klingen, aber für mich bedeutet er ein ganz schön großes Stück Stolz. Und Zufriedenheit. Und Glückseligkeit. ❤

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