Hamburg, G20: Liebe > Hass

08. Juli 2017. Hamburg, das bist nicht du. Ich denke zurück an wundervolle unberührte Samstagmorgende in der Schanze. Wenn alles so leicht und unberührt schien. Ich denke zurück an laue Sommerabende, überall in der Stadt Menschen, die ihr Leben genießen und gemütlich draußen sitzen und einen Drink genießen.

Heute. Ich wache auf und schaue auf mein Handy. Eigentlich weiß ich, wie sehr mich das aufreiben wird, aber ich muss einfach wissen, wie es in der Nacht weitergegangen ist. Ich schaue mir ein Video eines Freundes an: überall nur Flammen, panische Menschen, Überreste von Bränden. Das ist nicht das Hamburg, das ich kenne.

„Am G20-Wochenende, da verlasse ich Hamburg und fahre in die Heimat. Das tue ich mir nicht an“, sagte ein Bekannter vor drei Wochen zu mir und setzte damit das erste Mal Gedanken über die Ausmaße dieser politischen Zusammenkunft in mir los. Ich wusste, dass ich an diesem Wochenende nicht mehr in Hamburg sein würde und, ehrlich gesagt, habe ich auch nicht im Traum daran gedacht, dass es so ausarten würde. Gesperrte Straßen, lange Arbeitswege, keine Möglichkeit, alle Orte zu erreichen – das waren die einzigen Befürchtungen, die ich mit diesem Wochenende verbunden hatte.

„Ganz schön naiv“, denke ich mir jetzt. Aber konnte man ahnen, dass es so ausarten würde? Konnte man ahnen, dass eine ganze Millionenstadt zu einer reinsten Katastrophe wird?

Bis gestern Morgen, da war es noch „in Ordnung“ – wenn man das überhaupt so bezeichnen kann – dachte ich. Und dann öffnete ich Instagram und sah nur eine Videosequenz – wohl die bekannteste mittlerweile – eines Bekannten mit der Unterschrift „Hamburg oder Syrien?“: ein Auto fährt die Elbchaussee entlang, links und rechts ein brennendes Auto nach dem anderen.

„Hamburg ist wie im Krieg“. Innerhalb von 48 Stunden hat sich eine friedliche, charmante Stadt in das reinste Chaos transformiert. Innerhalb von 48 Stunden verloren so viele Menschen Teile ihres Hab und Gutes, unzählige Läden sind ausgebrannt.

Und wofür? Man möchte protestieren, das kann ich teilweise verstehen. Unmut äußern. Aber auf so eine Weise? Auf eine Weise, in der Menschen zu den Leidtragenden werden, die sind wie du und ich? Wer kämpft hier gegen wen? Und was wird am Ende besser durch diese Art von Protest?

NICHTS wird dadurch besser. Keine Unzufriedenheit lässt sich lösen durch brennende Autos oder zerstörte Straßen. Und der Unmut wird nicht kleiner. Warum wird auf Unzufriedenheit immer mit Hass geantwortet?

Für mich stellt sich die Frage, wie man ein solches Ereignis in eine Millionenstadt legen konnte. Hätte man vorher erahnen können, welch Unheil unserer „Perle im Norden“ widerfährt? Und vor allem: Wie gehen wir nun damit um? Was ziehen wir daraus, für die Zukunft? Und wie schaffen wir es, dass diese Stadt wieder zu unserem friedlichen Hamburg wird?

Eins steht fest: auf Hass können wir nicht mit Hass reagieren. Auf Gewalt nicht mit Gegengewalt. Die Liebe, die wir dieser Stadt entgegen bringen, muss größer sein als der ganze Hass, der dort in diesen Stunden kursiert. Liebe und Geduld und Respekt sind wohl der einzige Weg, die Spuren dieser Tage zumindest ein wenig verschwinden zu lassen…

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