Walk with me: Warum achtsam sein so glücklich macht

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Seitdem ich vor gut einem Monat das erste Mal vom Film „Walk with me“ gehört habe, wollte ich ihn sehen. Unbedingt. So schnell wie möglich. „Walk with me“ erzählt über einen Ort in Frankreich, namens Plum Village. Ein Ort, an dem Zen Buddhismus und vor allem Achtsamkeit gelehrt und gelebt wird.

Ich sah durch Zufall Anfang dieser Woche, dass dieser Film schon dieses Wochenende auf dem Londoner Film Festival gezeigt werden sollte. Sold out. Ach manno. Jedoch kam mir die Idee, in das Facebookevent einen Aufruf zu posten, für den Fall, dass jemand Anderes seine Karte doch nicht nutzen konnte. Donnerstag Abend erreichte mich dann durch Zufall eine Nachricht und ich konnte mir auf die letzte Minute noch einen Platz im Kinosaal sichern!

Ich fuhr schon viel früher los, da ich in den letzten Wochen die Erfahrung gemacht hatte, dass hier in London jeder Weg ein bisschen länger dauern kann und ich auch nicht hundertprozentig sicher war, ob ich das Kino direkt finden würde. 18:15 Uhr sollte der Film losgehen, doch ich war schon kurz nach 17 Uhr am Kino angekommen. Nicht schlimm, dachte ich mir. Einer der Kinomitarbeiter kam direkt auf mich zu und wies mir meinen Platz zu. Da saß ich nun, das erste Mal allein im Kino, noch eine gute Stunde, bis der Film begann, und außer mir nur eine ältere Frau im Saal, die zu lesen schien. Der Geruch von frischem Popcorn machte mir so viel Lust auf Naschen, dass ich mir welches kaufte. Mein Handy hatte ich bewusst schon abgeschaltet, und dann saß ich da, aß in aller Ruhe mein Popcorn und genoss die Stille. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal ohne Handy in der Hand, ohne Gesprächspartner, ohne Buch oder ähnliches länger als 10 Minuten verbracht hatte, aber es tat so gut.

Zu Beginn des Films war ich also tiefenentspannt und konnte mich so richtig fokussieren. Der Film ist absolut toll! Er gibt einen absolut authentischen Einblick in das Leben im Plum Village und vor allem gibt er dem Zuschauer viele Anregungen, wie sich Achtsamkeit in den Alltag einbauen lässt. Ganz besonders gut hat mir eine Gewohnheit gefallen: wann auch immer eine Glocke erklingt, pausieren die Menschen ihre aktuelle Beschäftigung und halten inne. Sie machen eine bewusste Pause, egal ob sie kochen, schreiben, musizieren, reden, laufen, denken. „Wir sind so oft im Autopilot, dass wir gar nicht realisieren, wie eng unser Bewusstsein in solchen Situationen ist“, gab einer der Mönche als Anregung. Wie recht er hat! Wie oft erwische ich mich, wie ich von einem To do zum nächsten hetze oder wie ich einfach nur schnell was koche, um dann möglichst fix wieder vorm PC zu sitzen. Aber was bringt mir das? Ehrlich gesagt nichts, weil ich mein Leben viel mehr genießen kann, wenn ich langsam und achtsam bin.

Nach dem Film waren sowohl die Produzenten, als auch drei der Mönche live bei uns im Kino, sodass wir Fragen an sie stellen konnten. Wie friedlich die Stimmung in diesem Kinosaal war, seitdem sie den Raum betraten! Ein Zuschauer fragte einen der Mönche, wie denn ein typischer Tag in Plum Village aussähe. „Wir lernen, wie wir achtsam leben. Und das ist auch genau das, was wir jeden Tag tun. Egal, was wir tun, wir tun es achtsam. Wir essen achtsam, wir musizieren achtsam, wir meditieren achtsam, wir spülen Geschirr achtsam. Und das ist nicht nur etwas, was wir in Plum Village tun können.“ Sie sagte es nicht direkt, aber was ich für mich daraus schloss war: jeder von uns kann seinen Tag achtsam gestalten. Egal, was wir tun, egal, ob wir zur Arbeit laufen, ob wir Sport treiben, ob wir lesen: tun wir es in Achtsamkeit, sind wir friedlicher, und wir genießen unser Leben mehr.

Ich weiß nicht genau, wann ich angefangen habe, mich so sehr für Achtsamkeit zu interessieren, aber es hat mein Leben von Grund auf verändert. Ehrlich! Ich liebe es, Gerüche wahrzunehmen, sei es die Abendluft, sei es frischgemähtes Gras, sei es Kaffee. Ich liebe, meinen Blick zu schärfen und wunderbare Dinge achtsam zu betrachten. Ich liebe es, die Sonne untergehen oder Kerzen flackern zu sehen. Ich liebe es, Musik nicht nur zu hören, sondern jede Zeile, jeden Rhythmus zu fühlen. Ich liebe es, langsam zu sein. Langsam zu essen, langsam zu laufen, langsam zu leben. Denn was bringen uns all die glückseligen Momente in unserem Leben, wenn sie nur an uns vorbeirennen, und wir sie gar nicht wahrnehmen können?

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