Liebesbrief pt. II

am

Es war einer der weniger schönen Tage in unserem Frankreichurlaub, als ich dich kennenlernte. Ich war frustriert. Surfen wollte nicht so klappen wie zuvor, irgendwie fühlte ich mich mit niemandem so richtig verbunden.
Wir waren am Meer, und plötzlich fing es an zu regnen. Der Surfunterricht musste abgebrochen werden, Mimi und ich machten uns auf den Weg zurück zum Camp.
Wir saßen dort mit Ben und Eugene, die wir schon vorher kennengelernt hatten, und du kamst zu uns. „Hey, ich bin Kaspar“, strahltest du.

Am Abend fand ein Akustikkonzert in unserem Camp statt und zufällig saßen wir nebeneinander. Wir unterhielten uns, du warst mir auf Anhieb sympathisch. Nur als ich irgendwann von deiner Freundin hörte, war ich enttäuscht. „Komm schon, Kira. Es gibt keinen Grund zur Enttäuschung“, versuchte ich mir einzutrichtern, aber irgendwie wollte das Gefühl nicht wirklich weggehen. Ich fühlte mich fehl am Platz und flüchtete zu Mimi, die in der Hängematte der Livemusik lauschte.

Später waren wir in einem der kleinen Clubs in Moliets und nach ein paar Mojitos verließ mich das Gefühl, dass ich nicht mehr mit dir sprechen sollte. Zum Glück.

Wir liefen irgendwann am späten Abend zurück zum Camp, und irgendwann klärte sich auch das Gefühl auf, dass du wirklich eine Freundin haben würdest. „Vielleicht habe ich da auch nur was missverstanden“, dachte ich mir, und wollte einfach abwarten, was passiert.

Zurück im Camp machten wir es uns in der Hängematte bequem und quatschten die halbe Nacht durch. Zwischendurch probierte ich mich auf dem Balanceboard, und mit deiner Unterstützung klappte es sogar ganz gut. Ich werde nicht vergessen, wie du voller Inbrunst sagtest, wie stolz du sein würdest, wenn ich es am nächsten Tag noch genauso gut könne. Und ich fühlte, dass du wirklich stolz sein würdest.

Diese Nacht war die Nacht, in der du mich das erste Mal geküsst hast, und ab diesem Zeitpunkt verbrachten wir noch ein paar wunderschöne Tage im Surfcamp.
Ich hielt es für eine Urlaubsromanze und war ziemlich überzeugt, dass du ziemlich schnell aus meinem Kopf gehen würdest, wenn ich erstmal wieder im deutschen Alltag zurück sei. Doch dem war nicht so. Genau genommen war ich sogar ziemlich traurig.

„Ich hab gerade ernsthaft nach Flügen in die Schweiz geschaut“, sagte ich zu Mimi ein paar Tage später, als ich wieder zuhause in Deutschland angekommen war. Wir schrieben immer noch und trotzdem hielt ich mich für ein bisschen bekloppt, dass ich dich so gern wiedersehen wollte.
„Du, Kira, wenn du Lust hast, würde ich nächste Woche für ein paar Tage zu dir nach Deutschland kommen, bevor mein Job anfängt“ Ich weiß noch, wie ich im Wohnzimmer meiner Eltern saß, als ich diese Nachricht las und bis über beide Ohren strahlte. Natürlich hatte ich Lust dich wiederzusehen!

Ein paar Tage später empfang ich dich schon am Hamburger Hauptbahnhof und vom ersten Augenblick war es so vertraut wie in Frankreich. Die drei Tage, die wir in meiner Heimat zusammen verbrachten, waren wunderschön und ohne groß drüber nachzudenken, stürzten wir uns Hals über Kopf in eine Beziehung. Dass das schwierig werden könnte, weil du in der Schweiz lebst und ich möglicherweise meinen Master in London  machen würde, war uns erstmal egal.

Vier Wochen später besuchte ich dich in der Schweiz. Ich freute mich so sehr darauf und trotzdem war es teilweise schwierig. Erinnerst du dich? Ich hatte so Probleme damit, Nähe zuzulassen und verstand mich selbst nicht mehr. Die Angst, die in mir war, ließ mich fühlen wie ein grausamer Mensch.

Ungefähr einen Monat später kamst du nach London. Das gleiche Spiel wieder. War ich doch sonst so ein lebensfroher und dankbarer Mensch, holten mich ständig Ängste ein und das Gefühl, ein furchtbarer Mensch zu sein, wollte nicht verschwinden. Ich war wütend. Wütend auf dich, weil ich ständig Fehler in dir suchte, damit mein Ego auch ja recht behielte und „ich ja gar keine anständige Beziehung führen könne“. Wütend auf mich, dass ich eigentlich den wunderbarsten Menschen gefunden habe, und es null genießen kann. Wir redeten viel darüber. Ich weiß, wie schwer es für dich gewesen sein muss, und trotzdem zeigtest du mir in jeder Situation vollstes Verständnis. Die Beziehung aufzugeben war keine Alternative. Irgendwas in mir drin wusste, dass es sich lohnt zu kämpfen, dass es gut werden würde.

Letztes Wochenende war ich das zweite Mal bei dir in der Schweiz und ich hatte großen Respekt davor. Ich hatte Angst, als Freundin wieder zu versagen, und alles komplizierter zu machen als es ist. Ich hatte Angst vor der Nähe.

Hingegen meiner Erwartungen war es jedoch eins der wunderschönsten Wochenenden überhaupt. So viel gutes Essen, die Spaziergänge im Regen, der Tag Wellness, die ganze Zeit nur für uns.
Sicher fällt es mir immer noch nicht zu 100% leicht, all das, was du mir gibst, anzunehmen, und mich selbst nochmal neu kennenzulernen, mit Mängeln und Seiten an mir, die ich lieber anders hätte. Aber all die Verbundenheit, die ich zu dir habe, und dieses Gefühl, bedingungslos geliebt zu werden, ist ungefähr das Schönste, was ich je gespürt habe.
Ich möchte all meine Ängste und Unsicherheiten und komischen Eigenschaften mit dir teilen, genauso wie all meine Leidenschaften.
Ich bin so froh, dass es dich gibt. Danke, Kaspar ❤

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