Balance

am

Das waren lange Wochen der Schwere. Ich stand jeden Morgen ganz früh auf, zwang mich förmlich dazu. Setzte mich selbst unter Druck. Hab alle schweren äußeren Umstände als Fehler in mir gesucht. Habe mich selbst runtergeredet, mich selbst bemitleidet, mich manche Tage nicht aus meinem Zimmer bewegt. Habe mir nicht erlaubt, glücklich zu sein. Habe immer mehr von mir erwartet. Habe mir keine (mentale) Ruhe gegönnt.

Das war (und ist) nicht ganz leicht. Ich habe meinen Traum verwirklicht und studiere hier in England. Das ist toll.
Trotzdem darf das nicht heißen, dass ich meine komplette Leichtigkeit verliere, oder zu einem Menschen werde, der so hohe Erwartungen an sich selbst hat, dass er darunter nur kaputt gehen kann.

Ziele zu erreichen ist die eine Sache, und es ist wirklich wertvoll für etwas zu kämpfen, das uns am Herz liegt. Wenn man dieses Ziel dann erreicht hat, sollte man aber auch mal stolz darauf sein, und mal einen Gang runterfahren, anstatt sich das nächste, fast unerreichbare Ziel zu setzen.

Die Seele darf zur Ruhe kommen, es darf ein bisschen Routine in den Alltag kommen. Ich darf auch mal einen Nachmittag mit Lesen verbringen. Oder ein Wochenende nicht produktiv sein.

Das fiel mir in den letzten fast 3 Monaten allerdings schwer, und so fühlte ich mich in den letzten Wochen ausgebrannt. Mir fehlten meine Herzensmenschen so sehr, ich fand mich nur noch am Schreibtisch, oder am Verrückt machen wegen der Arbeit.

Zum Glück gehören Selbstliebe und Selbstannahme. Zum Glück gehört, dass ich auf meinen Körper (und meinen Kopf) höre und Schluss mache, wenn einfach nichts mehr reingeht.

Ich bin hauptsächlich wegen des Studiengangs hierher gezogen, London war eher „Mittel zum Zweck“. Diese Stadt hat total tolle Ecken, keine Frage. Es ist aber auch unheimlich hektisch hier. Ich habe festgestellt, dass ich einfach mehr der Mensch für kleine Städte bin. Zu viele Geräusche und zu viele Menschen machen mich (auf Dauer) wahnsinnig.

Tatsächlich habe ich auch noch gar nicht so viel von London gesehen, wie vielleicht manch einer denkt. Ich war ein paar Mal am Wochenende etwas erkunden, und 2-3 Mal in anderen Teilen der Stadt unterwegs, als ich Besuch bekam. So richtig habe ich die Stimmung dieser Stadt aber noch nicht mitbekommen, da ich mich meistens auf dem Unicampus aufhalte.

Das ist auf jeden Fall etwas, das ich mir für das nächste Jahr vornehme. Mir öfters Auszeiten gönnen und ein bisschen mehr London (und Großbritannien überhaupt) zu entdecken. Öfters mal was an Abenden zu unternehmen, anstatt allein in meinem Zimmer zu sein. Obwohl ich das auch liebe, nur brauche ich eben die Balance.

Der ein oder andere würde vielleicht erwarten, dass ich nur glücklich hier bin. Und würde vielleicht auch gern etwas anderes lesen. Ich möchte euch an anderer Stelle auch auf jeden Fall noch von meinem Abenteuer aka Studium im Ausland berichten.

Aber jetzt gerade bleibt mir nicht mehr zu sagen, als dass ich unendlich froh bin, den Frieden in mir wiedergefunden zu haben. Öfters mal mit Kommilitonen unterwegs sein, öfters ausschlafen, öfters mal einfach nur die Seele baumeln lassen.
Öfter einfach nur glücklich sein.

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Wirklich ein schöner Beitrag. In unserer Leistungsgesellschaft, ist es auch gar nicht so einfach sich auf den Erfolgen auszuruhen. Einfach mal das Sieht ein zu genießen und eine Zeit lang keinem (zu) hoch gesteckten Ziel nachzujagen. Einfach genug zu sein, mit dem was man ist und (nicht) tut. Ich hoffe du hast noch eine schöne und genussvolle Zeit in London!
    Liebe Grüße
    Laura

    Gefällt 1 Person

    1. Kira sagt:

      Liebe Laura, vielen Dank für deine tollen Worte! Ich stimme dir total zu. Ich glaube aber auch, dass das regelmäßige Sich-Daran-Erinnern, dass wir genug sind, schon ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung ist. Danke für dein Feedback und auch dir eine wundervolle Zeit!
      Alles Liebe, Kira

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