Abenteuer Auslandsstudium

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Am 14. September 2017 kam ich an in London. Waren die Tage vorher wahnsinnig aufregend, weil lange nicht feststand, ob ich wirklich herziehen könnte, konnte ich mir im Vorhinein gar keine großen Gedanken darüber machen, wie es hier sein würde.

Es war ein Donnerstagabend, und meine Mama, die mich für ein paar Tage begleitete, und ich saßen in der Bahn vom Flughafen Richtung Innenstadt. Es ging schon mal gut los – wir hatten keinen Plan, wie wir zu unserem Airbnb kommen würden und so irrten wir spätabends ein bisschen an sämtlichen Underground-Stationen rum. Als wir dann schließlich die richtige Linie gefunden hatten, betraten wir die Bahn mit meinen zwei Koffern und jeweils einem Rucksack + Handgepäck. Wir setzten uns hin und ich war schlagartig begeistert von der Diversität der Menschen die mit in unserem Abteil saßen.

Am nächsten Morgen ging es für mich schon das erste Mal in die Uni. Mein Studiengang (Applied Positive Psychology & Coaching Psychology) besteht aus Vorlesungen, Workshops und Seminaren jedes dritte Wochenende und ansonsten aus einem Riesenanteil Selbststudium. Mir war also schon klar, dass ich nie so ein Unileben mit Kommilitonen hätte, wie es in meinem Bachelor in Dresden der Fall war. Als ich an diesem Freitagmorgen in die Uni kam, wurde ich aber gleich angesprochen von ein paar super offenen Leuten, die ebenfalls meinen Kurs belegen. Sie kommen aus der ganzen Welt: Peru, Amerika, Australien, Schweden, Frankreich, Türkei, Ägypten, Kanada, und und und. Es war Wahnsinn, wie viele Eindrücke ich an dem ersten Wochenende meines neuen Studiums mitnehmen durfte. Was ich auf jeden Fall nicht vergessen werde, ist, wie verbunden ich mich mit all den Menschen fühlte. Dadurch, dass es diesen Studiengang so nur einmal auf der Welt gibt, kommen wirklich alle mit einer riiiiiesen Leidenschaft hierher.

Den Montag darauf verließ meine Mama London und ich zog von unserem Airbnb ins Studentenwohnheim. Als ich hier ankam, war ich unendlich begeistert. Der Campus liegt direkt an der Themse und die Studentenwohnheime sind viel schöner eingerichtet, als ich es erwartet hätte, inklusive Traumausblick! (Wer mir auf Instagram folgt, weiß, wovon ich rede, hihi)

Die ersten Wochen bestanden aus ziemlich viel Organisationskram. Da ich nur insgesamt 40kg Gepäck mitnehmen konnte und das nicht sonderlich viel ist, wenn man auch alles Geschirr + Einrichtungsgegenstände mitnehmen möchte, musste ich hier erstmal los und ein paar Basics besorgen. Da der IKEA aber am anderen Ende der Stadt ist und es hier sowas wie Baumärkte nicht wirklich gibt, war das schwieriger als gedacht. Außerdem nehmen es englische Ämter und Banken nicht so genau mit der Dringlichkeit und so musste ich ca. 27462 Mal zu irgendwelchen Filialen fahren, bevor ich nach einem Monat endlich ein Bankkonto eröffnet hatte, eine Krankenversicherungsnummer bekommen habe und an der Uni alles angemeldet hatte.

Vorher dachte ich, dass es nach all diesen Erledigungen erstmal ruhiger werden würde, doch da hatte mir die Realität einen Strich durch die Rechnung gemacht. Das erste lange Uniwochenende stand an und, ich hatte ja schon vermutet, dass es viel Input geben würde, allerdings war ich danach restlos überfordert. Direkt am ersten Wochenende hieß es, dass wir uns direkt selbst ein (kleines) Coachingbusiness aufbauen sollen, damit wir unser erstes Modul abschließen können. Das Coaching an sich ist super spannend, alles was für mich dahinter steht, war aber aufwendiger als gedacht – Verträge (auf Deutsch und Englisch) schreiben, rechtliche Dinge abklären, Klienten finden. Wenn ich jetzt zurück gucke, hat es sich sowas von gelohnt, aber am Anfang war meine Überforderung nicht abzustreiten. Nebenbei haben wir noch ein zweites großes Modul im Bereich Positive Psychologie, was mein Herzensbereich ist. Dementsprechend wollte ich da von Anfang an 100% Energie reingeben. Beides in Kombi war (und ist) kein Zuckerschlecken für mich!

Dazu kam, dass ich mir am Anfang des Studiums noch in den Kopf gesetzt habe, einen ehrenamtlichen Job zu machen. Da bin ich an etwas ziemlich Cooles geraten, nämlich ein Programm, in dem Studenten als Mentoren Schülern helfen, Kommunikationsskills und Selbstbewusstsein auszubauen. Obwohl ich dachte, dass ich als Nicht-Muttersprachlerin dafür nicht geeignet sei, habe ich den Job bekommen. Das Programm ist super cool, allerdings hat es mich am Anfang auch ganz schön viel Kraft gekostet.

Und dann gab es nebenbei noch ein bisschen Konflikt mit meinen Mitbewohnern…
Alles in allem was es auf jeden Fall eine ziemlich kraftzehrende Zeit und wer in der Zeit meine Blogeinträge oder Instagram-Posts gelesen hat, wird mitbekommen haben, dass ich nicht immer ultra glücklich war.

Jetzt hat sich alles etwas eingependelt und ich schreibe gerade an meiner ersten Prüfungsleistung, die ich bis Ende nächster Woche fertig haben will. Da es meine erste schriftliche Arbeit hier ist, weiß ich noch nicht so recht, wo die Ansprüche meiner Dozenten liegen, und weiß auch nicht, ob mein akademisches Englisch gut genug ist, um zu bestehen. Daher lebe ich im Moment das volle Studentenleben und sitze mehr in der Bibliothek als irgendwo anders. Aber ehrlich gesagt, will ich mich darüber gar nicht beschweren, denn genau so wollte ich es. Manchmal muss ich mir einen kleinen Motivationsschub verpassen, aber ich glaube, solange mir das große Ziel nicht aus den Augen verloren geht, kämpfe ich mit jeder Kraft, die ich habe.

London an sich gefällt mir gut, bis auf die zu großen Menschenmassen überall und die nicht selten 1,5 Stunden-langen Busfahrten. Ich versuche, an jedem freien Wochenende, das ich hier verbringe, ein bisschen was von der Stadt zu erkunden, und bisher war ich noch an keinem Ort zweimal 😀 es ist echt unglaublich, wie viele verschiedene Ecken die Stadt zu bieten hat. Ich liebe auf jeden Fall die kulinarische Vielfalt und die vielen Parks!
Vorhin habe ich mit einem Buch im Außenbereich eines Pubs auf den London Fields gesessen, und es war unendlich schön. Diese Stadt hält tolle Plätze fern vom Innenstadtrummel bereit und die ziehen mich viel mehr an!

Auch was das Social Life angeht, ist es komplett anders als in Deutschland. Durch die ganzen verschiedenen Kulturen gibt es so viele unterschiedliche Angebote, unterschiedliche Menschen und unterschiedliche Interessen! Die Uni bietet auch unendlich viele akademische aber auch nicht-akademische Sachen an, von verschiedensten Sportangeboten über Dinner Nights über Konferenzen bis hin zu Städtetrips durch ganz Europa.
Ich finde, dass verglichen zu meinem Studium in Dresden die Menschen, die hier an der Uni arbeiten, viel enthusiastischer sind. Es arbeiten auch einfach viel mehr Menschen hier, als ich das vorher gewohnt war! Und man hat in jedem Bereich einen persönlichen Ansprechpartner, ob das Uni, Wohnen oder Ämter sind.

Egal, wie kräftezehrend es manchmal auch sein mag, ich würde niemals bereuen hierher gegangen zu sein und ich glaube, dass das eine einzigartige Erfahrung ist. Außerdem sind es ja auch immer solche Zeiten, in denen man am Meisten wächst und über sich selbst lernt. Und wenn ich hier so sitze, und auf die Skyline von London blicke, dann bin ich unendlich dankbar. Einfach dafür, dass ich diese Erfahrung machen darf.

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