2017, du Wunder!

1. Januar 2017. Es ist 08:30 Uhr morgens, die Sonne scheint auf die weiße Schneedecke in unserem Garten. Ich schnüre mir meine Laufschuhe zu und verlasse das Haus, um die frische Luft das neuen Jahres zu schnuppern. 3km bin ich gelaufen, als es plötzlich klick macht. Ich will reisen, ich will studieren, ich will weiter entdecken. “Okay, Kira, wenn du jemals Zweifel hast, ob das wirklich der richtige Weg ist: ja, ist es. Sei mutig, alles wird so kommen wie es soll!”, spreche ich in meine Handykamera, um den Mut nicht wieder zu verlieren.

31. März 2017. Mein letztes Wochenende in Hamburg ist angebrochen. Gestern war mein letzter Arbeitstag und ich hatte einen so unglaublich schönen letzten Tag mit meinen Kollegen. Es ist Samstagmorgen, ich wache um 11 Uhr auf und verabrede mich spontan mit einer Freundin, um im Park um die Ecke Franzbrötchen zu frühstücken. Wir genießen den Tag in Hamburg in vollen Zügen, spazieren durch Planten & Bloomen, gehen in die Stadt, essen Eis, sitzen in der Nachmittagssonne an der Alster. Irgendwie bin ich traurig, und doch weiß ich, dass es die richtige Entscheidung war. Einen Tag später sind meine Tage in Hamburg zunächst erstmal gezählt. Papa klingelt am frühen Morgen, um mich und meine Sachen einzuladen, wir genießen noch ein Frühstück in der Schanze und dann geht es zurück in meine Heimat. Ich habe zu diesem Zeitpunkt noch nicht so richtig den Plan, wie es die nächsten Monate für mich weitergehen soll. Spontan hat sich jedoch ergeben, dass es in 2 Wochen für mich spontan nach Südafrika geht.

14. April 2017. Ich habe die Nacht bei einer Freundin in Hamburg verbracht. Sie bereitet uns ein wundervolles Frühstück zu, wir quatschen, und dann muss ich mich am Mittag auch schon verabschieden. Ich treffe noch eine andere Freundin, bevor es am späten Nachmittag zum Flughafen geht. Hamburg -> Kapstadt. Oh mein Gott. Mein erstes Mal ganz allein weit weg von zuhause. Aber irgendwie fürchte ich mich nicht.
Ich lande am nächsten Vormittag in Kapstadt, nehme ein Uber nach Muizenberg, dem Ort, an dem in den kommenden Wochen leben werde, und weiß es bei meiner Ankunft sofort: DAS ist der Ort, den ich gesucht habe.

3. Mai 2017. Ich bin gerade in Stellenbosch angekommen und sitze auf der Terrasse einer Studentenbar. Ich weiß nicht, was mich dazu getrieben hat, aber ein Bier nach einer fünfstündigen Zugfahrt in der Hitze und nicht wirklich was zu essen im Magen lassen mich ein bisschen angetrunken fühlen. Ich spiele an meinem Handy rum, als plötzlich eine Mail von der University of East London ankommt. “We are delighted to inform you that we are offering you a place on our MSc Applied Positive Psychology and Coaching Psychology subject to the conditions outlined in the Offer Letter which is attached to this email.” Was bitte? Ich kann es nicht glauben. Nach monatelangem Umschreiben und wieder Neuschreiben meiner Bewerbung für die Uni habe ich sie endlich zwei Tage vorher abgeschickt. Mit einer so schnellen Antwort hatte ich nicht gerechnet.

13. Mai 2017. Wir treffen uns um 5 Uhr in der Früh, um zum Sonnenaufgang auf den Muizenberg zu wandern. Matt hat seinen Hund mitgebracht, und so machen wir uns zu dritt auf den Weg auf den noch stockdunklen Felsen. Als wir oben sind, geht die Sonne auf. Eine kleine orangefarbene Kugel spiegelt sich auf dem Ozean wider. Ehrlich, sowas Schönes hab ich noch nie gesehen. Wir genießen diesen unfassbaren Moment und machen uns später auf den Weg mit dem Auto ins Zentrum von Kapstadt, um über den Old Biscuit Mill Foodmarket zu schlendern und dort zu brunchen. Das Wetter ist traumhaft an diesem Tag, und so überlegen wir uns danach kurzfristig, einen kleinen Roadtrip rund um Kapstadt zu machen. Wir klappern verschiedene Strände ab, bleiben für einen Moment, springen ins Wasser und ziehen weiter. Am Abend sehen wir den wunderschönen Sonnenuntergang am Kommetjie Beach und fahren glücklich wieder zurück nach Muizenberg.

12. Juni 2017. Es ist einer dieser gewöhnliche Tage im Moment. Ich habe glücklicherweise für einen Monat die Wohnung einer Freundin in Hamburg bekommen, weil sie verreist ist, und kann so den Sommer in meiner Herzensstadt verbringen. Ich wache früh auf, mache Yoga, frühstücke auf dem Balkon, setze mich dann an den Schreibtisch, um für den TOEFL zu lernen, der die endgültige Entscheidung darüber bringen wird, ob ich in London studieren kann. Am Nachmittag ist mein Kopf voll, und ich radel mit dem Fahrrad in die Stadt, um eine alte Kollegin in der Mittagspause zu treffen. Wir holen uns einen Salat und setzen uns vors Hofbräuhaus, die Sonne scheint. Am Abend gehe ich eine Runde im Stadtpark laufen, und lasse anschließend den Abend auf dem Balkon mit einem Buch ausklingen.

5. Juli 2017. Ich liege auf der Terrasse meiner Eltern und genieße die Sonne, als plötzlich eine Email mit meinem TOEFL-Ergebnis einflattert. Ich bin hammernervös, habe auf einmal sämtliche Szenarien im Kopf wie meine Zukunft aussieht, und will die Mail einfach nicht öffnen. “Los, mach schon, ich bin auch ganz gespannt”, schreibt meine Freundin. – 101 Punkte. Oh mein Gott. Ich hüpfe los. “Das heißt, ich hab die Voraussetzungen für London erfüllt!” Meine Freude ist unendlich groß.

23. Juli 2017. Um 6 Uhr klingelt der Wecker, denn unser Flug zurück nach Deutschland geht früh. Mimi und ich haben 10 Tage in Frankreich verbracht, waren erst eine Nacht in Bordeaux und dann 7 Tage im Surfcamp in Moliets. Wir sind ein bisschen geschafft, weil wir nicht wirklich viel geschlafen haben, und doch kann man uns die Glückseligkeit in unseren Gesichtern nicht absprechen. Eine Woche voller Surfen, Strand, Akustik-Musik, Sonnenuntergang schauen, und schöner Menschen kennenlernen lässt uns voller Energie wieder nach Deutschland zurückkommen.

4. August 2017. Ich liege im Behandlungszimmer beim Arzt und kann nur schwer mein Bewusstsein halten. Ein super entzündetes Bauchnabelpiercing hat mich schon die letzten Tage gequält und nun habe ich mich entschieden, es endlich rausnehmen zu lassen, damit ich in den nächsten 3 Wochen in Spanien keinen Ärger damit habe. Mein Körper hat darauf aber nicht so gut reagiert, und so bin ich kurzerhand gleich zweimal umgekippt. Ich versuche mich wieder aufzupäppeln, versuche mich wieder hinzusetzen. “Man, ich will doch morgen nach Spanien, warum muss das denn jetzt sein?” Gott sei Dank konnte ich mich schnell wieder generieren.

24. August 2017. Drei Wochen Spanien sind vorbei, und ich bin dank Schlafmangel und ordentlich Action ganz schön kaputt. Und trotzdem fällt es mir irgendwie schwer, Playa de Aro zu verlassen, hatte ich doch eine wundervolle Zeit mit unendlichen tollen Menschen dort. Drei Wochen für RUF arbeiten heißt für mich immer drei Wochen aus meinem normalen Leben abtauchen. Fern von daheim irgendwie ein anderes Leben führen. Dass ich nebenbei von dort aus mit ultra schlechtem WLAN meine Immatrikulation organisieren muss, ist nervig, klappt dann aber glücklicherweise doch. Ich weiß, dass das möglicherweise mein letzter RUF-Sommer ist.

6. September 2017. Ich gehe spazieren höre den Lauras Podcast über die „Manifestationsformel“, weil ich immer noch keine Rückmeldung vom Stipendium habe. Ich weiß irgendwie, dass es klappen wird. Ich vertraue so sehr dass ich irgendwoher das nötige Geld für die Studiengebühren herbekomme, aber ich hab noch keinen Plan woher.
Ich komme vom Spaziergang wieder, suche bei Google nach einem Blankoscheck vom Universum und schreibe darauf 10000€, Studiengebühren UEL, Kira Schlegel.

9. September 2017. Ich bin mit drei Freundinnen auf dem Loolapalozza in Berlin. Möglicherweise ist das mein letztes Wochenende in Deutschland. Ich weiß es aber nicht. Eigentlich geht am kommenden Donnerstag mein Flug nach London, aber es ist noch unsicher, ob ich das Stipendium bekomme. Ich bin nervlich ganz schön am Ende, weil ich die beiden anderen Alternativen abgesagt habe, und mit vollem Risiko auf London gegangen bin. Was ist, wenn es nicht klappt? Irgendwas in mir drin hatte jedoch dieses unendliche Vertrauen, dass alles gut gehen wird. Wir sitzen am Samstagabend auf der Wiese des Loolapalozzas, als Mumford & Sons gerade “I will wait” spielen. Hinter uns tanzt ein Mädchen und fängt plötzlich an zu weinen, vollkommen von ihren Gefühlen überwältigt. Ich bin beeindruckt. Ich fühle so einen Lebenswillen in ihr. Das Wochenende über sehen wir unglaublich gute Bands und haben am Sonntag sogar richtig Glück mit dem Wetter. Für mich der perfekte Abschluss dieses Sommers.

12. September 2017. Papa und ich haben einen Papa-Tochter-Tag gemacht und überlegen uns, am Abend zusammen zu kochen. Er ist schon in der Küche, als ich nur kurz noch was am Laptop checken will. Auf einmal sehe ich durch Zufall, dass ich eine Zusage fürs Stipendium bekommen habe. Eigentlich schon am Freitag vorher, aber das ist mir jetzt egal. Das heißt, ich gehe wirklich nach London zum Studieren. Ich kann das Ganze noch nicht so richtig fassen. Und trotzdem sehe ich einfach nur dieses riesige Wunder, dass mir hier gerade widerfährt. Nieeeemals hätte ich am 1. Januar gedacht, dass mein Leben so seinen Lauf nehmen würde.

14. Dezember 2017. Ich bin gerade in den Bus gestiegen, der mich erst nach Paris und später nach Bern bringen soll. Die letzten 3 Monate waren der Wahnsinn. Ich hatte noch nie so eine herausfordernde Zeit in meinem Leben und musste mich teilweise ganz schön sammeln, um alles zu überwinden. Ich war teilweise traurig, teilweise überfordert, aber auch oftmals ganz schön glücklich. Einfach weil ich es Wahnsinn finde, was für Wunder in unserem Leben passieren können, wenn wir uns trauen zu vertrauen und wenn wir unserem Herzen folgen. Ich glaube, dass alles, was mich in London herausfordert, einen besonderen Grund hat und dass dieses Jahr hier nochmal unglaubliches Wachstum bedeuten kann.

Dieses Jahr war mit Abstand das ereignisreichste meines Leben. Es war auch irgendwie das herausforderndste, aber es war auch das bisher schönste. Ich bin so fasziniert, wie oft ich keinen Plan hatte, wie es weitergehen würde, und dann einfach immer ein neues Wunder auf mich gewartet hat. Ehrlich, ich dachte auch, ich würde niemals finanziell über die Runden kommen, wenn ich meinen Job aufgebe, ich dachte, dass ich nicht mehr zuhause wohnen könnte, ich dachte, dass ich mich super einschränken muss, wenn ich diesen Weg gehe. Aber nichts davon war der Fall. Es hat sich eher alles in eine positive Richtung transformiert und ich bin so viel reicher geworden. Wenn ich mir eins versprochen habe, dann ist es, dass ich ab jetzt immer auf mein Herz hören werde, egal, wie unmöglich etwas zu sein scheint.

Ich habe heute einen Text bei Instagram (hier) gelesen, den ich unglaublich passend finde, und gern mit dir teilen möchte:
“Look around you. How many people do you think are settling? Probably a hell of a lot. People settle every day into okay relationships, okay jobs, okay friends and an okay life.
Why? Because easy is comfortable. Okay pays the bills and provides a warm bed at night and allows you to go out on a Friday evening to enjoy happy hour. Some people are fine with okay, and guess what? That’s okay!
But do you know what okay is not? Okay is not thrilling, it isn’t passion, it’s not life-changing or unforgettable. Okay is not the reason you risk absolutely everything you’ve got just for the smallest chance that something absolutely amazing could happen.”

Deshalb, egal, ob du es jetzt machst, weil ein neues Jahr beginnt oder einfach irgendwann.
Aber bitte, bitte folge deiner Leidenschaft und tu das, was dein Herz wirklich zum Lachen bringt. Hör nicht auf zweifelhafte Stimmen und lass den rationalen Kopf nicht überhand über dein Herz nehmen. Du kannst das Leben kreieren, das du möchtest. ❤

3 Kommentare Gib deinen ab

  1. Helen sagt:

    Sehr schöner Jahresrückblick und toller Reminder! 🙂 Ich wünsche dir alles Gute für dein Studium in London und einen guten Start ins Jahr 2018!
    Ich habe dich für den Mystery Blogger Award nominiert, falls du Lust hast, teilzunehmen. 🙂
    Liebe Grüße,
    Helen
    https://helenschreibt.wordpress.com/

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    1. Kira sagt:

      Liebe Helen,
      vielen Dank für deine tollen Worte! 🙂 Ich wünsche dir ebenfalls einen wundervollen Start in 2018 und werde gleich mal auf deinem Blog vorbeischauen!
      Alles Liebe,
      Kira

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