Rückschläge

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Es ist Sonntag, der 17. Dezember 2017. Ich sitze im Zug von Bern nach Göttingen, fahre nach Hause. Endlich! Die ganzen letzten Wochen habe ich mir diesen Moment herbeigesehnt, habe mich gefreut auf eine ruhige Zeit daheim. Die letzten Monate waren nervenaufreibend und ich sehne mir einfach ein bisschen Harmonie herbei, ein bisschen Batterien auftanken.

Es ist Freitag, der 5. Januar 2018. Ich sitze an Papas Schreibtisch vor meinem Laptop und korrigiere meine Hausarbeit, die ich bald abgeben muss. Die Sonne scheint durch das Fenster. Mein Hals kratzt wie sau, aber ich möchte ein bisschen frische Luft schnappen. Ziehe mir eine warme Jacke an, binde einen dicken Schal um und gehe raus. Die Sonne blinzelt mir ins Gesicht. Irgendwie könnte ich jetzt traurig sein, weil mein letzter Tag zuhause nicht so läuft, wie ich es mir vorgestellt habe. Ich wollte eigentlich nochmal eine große Runde laufen gehen, nochmal ein paar Freunde wiedersehen, vielleicht nochmal in die nächstgrößere Stadt fahren. Aber daraus wird heute leider nichts. Ich bin aber auch irgendwie gar nicht traurig, sondern freue mich, dass ich trotz meiner fiesen Erkältung ein paar Schritte rausgehen kann, die frische Luft genießen kann. Ich bin dankbar, dass mein Körper mir zeigt, was ich jetzt brauche.

Die letzten drei Wochen zuhause liefen nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Aus erwünschtem Auftanken wurde eine emotionale Achterbahnfahrt. Nicht selten habe ich einige Tränen verdrückt. Und dann stand ich manchmal da, und habe mich gefragt, warum ich so traurig sein muss. Aber diesen Anspruch, dass es mir immer gut geht, nur weil ich meinen Traummaster mache und sonst im Leben auch ziemlich vieles gut läuft, habe ich längst losgelassen. Irgendwie freue ich mich sogar, meine Traurigkeit mal zulassen zu können. Ich bin keine Person, die oft weint, und umso besser tut es mir, meine Gefühle dann wirklich mal rauslassen zu können.

Ich hatte gehofft, dass diese Ferien mir die Chance bereiten würden, alle meine Sorgen mal für eine Weile weit weg zu schieben. Dem war nicht so, kamen eher noch zwei, drei andere emotionale Herausforderungen dazu. Aber irgendwie sehe ich das Ganze nicht als Rückschlag, sondern eher als “Reinigung”, als nochmal alles durchleben am Ende des Jahres, um dann ganz loslassen zu können und neu durchstarten zu können.

Traurig sein muss ab und zu erlaubt sein. Es muss sogar da sein, um sich wieder zu sammeln und das Leben neu von einer positiven Seite betrachten zu können.
Und genauso ist es auch mit dem Kranksein. Vielleicht verläuft der Tag heute nun nicht so, wie ich ihn mir vorgestellt habe, aber ich kann nochmal reset-ten, nochmal alles auf null stellen, und dann, dann kann ich zurück in London wieder Vollgas geben und ganz neu beginnen. Und darauf freue ich mich.

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