Schwarzer Schatten

Ich wache auf und sofort schießt mir dieser eine Gedanke in den Kopf. Selbstvorwürfe. Ich hasse mich. Ich stehe auf und versuche positiv zu sein. Schon auf dem Weg in die Küche frage ich mich, warum ich das eigentlich tue. Ich hoffe, dass der Tag bald vorbei ist.

Eine Freundin fragt mich, ob ich heute Abend mit ein paar Leuten was trinken gehen will. Ich sage ihr ab, habe Angst wieder das Gefühl zu haben, nicht dazuzugehören.

Ich isoliere mich. Verbringe die meiste Zeit allein, weil ich niemanden mit meiner Anwesenheit runterziehen möchte. Ich mache einen auf gute Miene, versuche liebenswert zu meinen Freunden zu sein. Doch es raubt so viel Kraft.

Depressionen sind irgendwie immer noch ein Tabuthema. Viel ist in den letzten Jahren an Aufklärung passiert, und doch ist es irgendwie „krass“, wenn jemand das laut ausspricht, was er wirklich fühlt.

Depressionen können Leben zerreißen, können Bindungen kaputt machen, können stoppen. Es fühlt sich an als hätte man einen dunklen Schleier über sich, als wäre da ein schwarzer Schatten, der alles so schwer macht.

Traurig sein ist schon was Gutes, weil man endlich wieder Gefühle empfindet. Denn manchmal ist da einfach nur Leere.

Das hier ist ein Glücksblog. Ja, ich weiß. Aber für mich ist das größte Glück Authenzität. Weil ich weiß, wie schwierig es für Freunde und Angehörige ist damit umzugehen, möchte ich dieses Thema gern ansprechen.

Du kennst jemanden, der (manchmal) unter Depressionen leidet? Dann bitte, bitte nimm dir Folgendes zu Herzen:

  1. Nimm es bitte nicht persönlich! Dieser Mensch ist so dankbar, dafür, dass du da bist. Du hast NICHTS falsch gemacht. Aber genauso wenig kannst du diese Depression heilen. Das hat nichts mit dir zu tun!
  2. Sei ehrlich! Sag, wenn du nicht weiter weißt, oder wenn du nicht weißt, wie du dich verhalten sollst. Das Schlimmste, was du tun kannst, ist dich seltsam zu verhalten, aber so zu tun, als wäre alles in Ordnung.
  3. Sei einfach da. Du musst keine großen Reden halten oder übertriebene Gesten zeigen. Hör einfach zu, und lass diesen Menschen nicht allein.
  4. Akzeptiere die Situation, so wie sie ist. Klar möchtest du gern helfen, und das ist großartig. Aber Depressionen kommen und gehen von allein, und äußerer Druck oder das Dagegen-Ankämpfen hilft gar nicht. Wenn man gegen etwas ankämpft, wird es nur stärker.
  5. Bleib du selbst. Niemand, der in einer Depression steckt, möchte Sätze hören wie „Ich weiß genau, wie du dich fühlst“, wenn es nicht stimmt. Bleib einfach die Person, die du bist, und behalte deine Lebensfreude. Schaffe dir auch Raum für dich, damit du wieder auftanken kannst. Denn nur wenn dein eigener Tank voll ist, kannst du geben.

 

Danke, dass es dich gibt. Danke, dass du Raum für dieses Thema schaffst. Du bist großartig!
Ich schicke dir Liebe,

Kira

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