Wie ich mir London leisten kann

Money, money, money. Es gibt kaum einen Menschen, dessen Entscheidungen im Leben nicht ein bisschen darauf beruhen, wie finanziell realisierbar sie sind. Als ich anfing, Freunden und Bekannten davon zu erzählen, dass ich wohlmöglich in London studieren werde, war die erste Reaktion selten eine wie „Oh cool! Was genau willst du studieren?“, sondern viel öfter „Wow! Wie willst du das denn bezahlen?“.
Ehrlich gesagt: das wusste ich damals auch nicht. Und als ich meine Zusage für die Uni erhielt, war es für mich auch äußerst unrealistisch, mir ein Jahr London irgendwie finanziell leisten zu können. Manche meinen vielleicht, meine Eltern würden mir das alles bezahlen, doch diese muss ich leider enttäuschen: mir war von Anfang an klar, dass dies keine Option sein wird. Und ich hatte vorher auch nicht langjährig gearbeitet, um ein komplettes Auslandsstudium ersparen zu können.

Also, wie war es mir dennoch möglich, dieses Jahr wahr werden zu lassen? Ich möchte gern ein paar meiner Erfahrungen mit dir teilen. Vor allem, weil ich möchte, dass sich mehr Menschen trauen, ähnliche Wege zu gehen, auch wenn sie jetzt noch nicht sehen, wie das möglich sein soll.

  1. Ich habe, und dafür bin ich im Nachhinein unheimlich dankbar, während meines Bachelorstudiums schnell gelernt, mit ganz wenig Geld auszukommen. Während dieser Zeit war das oft sehr, sehr schwierig für mich, da es mich irgendwie mental zerrissen hat. Aber – von meinem jetzigen Standpunkt aus gesehen, war das das Beste, was mir hätte passieren können. Ich habe damals in Dresden von teilweise 300-400€ im Monat gelebt, für alles, inklusive Miete. Diese Zeit hat den Grundstein gelegt, dafür dass ich jetzt alles so sehr genießen kann, was mit einem etwas größeren finanziellen Aufwand verbunden ist: essen gehen, reisen, sich selbst etwas gönnen. Darüber hinaus, ist es jetzt selten ein Problem für mich, wenn ich Phasen habe, in denen ich mit wenig Geld auskommen muss, und meine Mama betont gern, dass ich ein Sparfuchs bin. Ich glaube, mich hat das bisher oft sehr weit gebracht. Was ist jedoch, wenn man diese Erfahrung nicht gemacht hat?
  2. „Wege entstehen dadurch, dass man sie geht“ (Kafka). Wie ich schon angerissen habe, schien es für mich damals schier unmöglich, tatsächlich in London zu studieren, als ich meine Zusage für die Uni erhielt. Ich hatte schlichtweg keinen Plan, wie ich zum einen 10000€ Studiengebühren und zum anderen 1200-1400€ pro Monat (das waren die monatlichen Minimum-Lebenshaltungskosten, die ich bei Google für London gefunden hatte) auftreiben sollte. Ehrlich gesagt, hat mich dieser Prozess auch gute drei Monate plus unendlich Nerven gekostet (hier kannst du mehr darüber lesen). Ich möchte darauf kurz ein bisschen tiefer eingehen:
    So saß ich also da, Ende Juni, mit meiner finalen Zusage für das Masterstudium an der University of East London und war endglücklich. Und trotzdem waren da tausend miese Stimmen im Kopf. „Du kannst das Geld niemals auftreiben“, „Du hast das nicht verdient, soviel Geld für ein Jahr auszugeben“, „Ist es das wirklich wert?“. Die Zweifel waren groß, wenn nicht sogar riesig. 
    Ich erinnere mich, wie ich mit meiner Sommergrippe im Bett lag, und mir mal wieder den Kopf darüber zerbrach, was ich denn nun machen werde. Irgendwie versuchen, an das Geld zu kommen, oder den bequemen Weg wählen, und meine Zusage in Deutschland annehmen? Letzteres war irgendwie keine Option. Also fing ich an brainzustormen, und mir eine Liste zu machen, wie ich an Geld kommen könnte. Ich verbrachte Tage damit, nach Stipendien zu forschen, Bafög-Anträge auszufüllen, Studienkredite abzutelefonieren. Es gab einen Punkt, an dem es mir schier unmöglich erschien, ein Stipendium oder Studienkredit zu bekommen, denn die meisten Studienkredite waren nicht für ein komplettes Auslandsstudium ausgelegt und die Stipendien-Fristen bereits abgelaufen. Long story short: am Ende ist fast sowas wie ein Wunder passiert, und ich habe einen für mich idealen Studienfonds für meine Lebenshaltungskosten gefunden und von der englischen Regierung so etwas wie einen bezuschussten Studentendarlehen für die Studiengebühren bekommen. Ich bin mir durchaus darüber bewusst, dass ich mich damit nun verschulde, aber die Konditionen sind gut, und für mich ist dieser Traum das wert. Außerdem bekomme ich den Grundbetrag Auslandsbafög für London plus mein Kindergeld. Alles in allem, komme ich mit diesen Einnahmen super zurecht.
  3. Als ich, wie oben beschrieben, nach Lebenshaltungskosten in London gegooglet habe, wurden mir 1200-1400€ minimum angezeigt. Zuerst einmal: JA, leben in London ist sehr teuer. WG-Zimmer sind selten unter umgerechnet 850€ pro Monat zu finden und auch die Londoner Ausgeh- und Restaurantszene ist verglichen zu Deutschland teuer. ABER: ich habe in den ersten Monaten schnell herausgefunden, wie ich trotzdem verhältnismäßig günstig zurecht komme. Supermärkte sind hier ungefähr genauso teuer wie in Deutschland, wenn nicht sogar billiger, und wer nicht 5x die Woche essen geht, kann sehr viel Geld sparen. Ich habe mich auf dem Campus beim Unisport angemeldet und damit dieses Hobby vergleichsweise günstig abgedeckt, und da ich viel Zeit in der Bibliothek verbringe (und dort wenig Geld ausgebe, haha), habe ich auch schon Monate mit „nur“ 900€ geschafft. Was ich damit sagen will: es ist alles eine Sache der Gewohnheit. Als Student kann man sich auch gut täglich selbst in die Küche stellen, die Flexibilität lässt es ja zu 🙂
  4. Ich arbeite hier in London auch nebenbei (ehrenamtlich, aber eine kleine Aufwandsentschädigung bleibt trotzdem übrig 🙂 ), und spare im Monat mindestens diese Einnahmen, plus +-100€, je nachdem wie es die Situation zu lässt. Seit ich in Dresden angefangen habe zu studieren, habe ich es mir zur Gewohnheit gemacht, jeden Monat etwas zurückzulegen. Das ist mal mehr, mal weniger, aber schließlich habe ich dadurch immer die Möglichkeit, Rücklagen für harte Zeiten oder, umso schöner, für Reisen zu haben. Ich lege im Monat pi mal Daumen 10-20% meines gesamten „Einkommens“ weg, und das hat bisher immer super geklappt.

Insgesamt habe ich für mich mittlerweile, glaube ich, ein ganz gutes Mittelmaß gefunden zwischen sparsam sein, etwas Geld zur Seite legen und auch mal London genießen – tolle Restaurants ausprobieren und tolle Orte entdecken. Ich gebe im Monat niemals mehr als 50€ für neue Klamotten aus und auch sonst halte ich es materiell sehr minimalistisch. Das Einzige, in das ich dauerhaft investiere, sind neue Bücher. Aber da glaube ich, dass ich das Geld, was ich darein investiere, doppelt wieder herausbekomme. Bezüglich dessen überlege ich nochmal einen ganz eigenen Blogpost zum Thema „Glaubenssätze/Mindset zum Geld“ zu machen, wärt ihr daran interessiert? Und ich überlege darüber zu schreiben, wie ich es mir leisten konnte, in den letzten Jahren so viele tolle Orte der Welt zu sehen und zu reisen. Würdest du da gern was drüber lesen? Gib mir doch mal Feedback! 🙂

Ansonsten hoffe ich, dass ich dir mit diesem Blogpost ein bisschen Inspiration mitgeben konnte, und würde mich freuen, wenn du mir eine Rückmeldung in den Kommentaren lässt. Oder Tricks, wie du Geld sparst! 🙂

Ich danke dir, dass du hier bist & wünsche dir einen ganz wundervollen Tag. Liebe aus London! ♥

Deine Kira

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