Warum es so wichtig ist, Spaß zu haben

„What if we stopped celebrating being busy as a measurement of importance? What if instead we celebrated how much time we had spent listening, pondering, meditating, and enjoying time with the most important people in our lives?“ (Greg McKeown)

Ein bedeutungsvolles Leben zu führen wird in unserer Gesellschaft oft gleich gesetzt mit hohen Zielen und harter Arbeit, die dafür getan werden muss. Einen tieferen Sinn in seinem Leben zu finden bedeutet einen Job zu haben, in dem wir uns vollends ausdrücken können und mit dem wir einen Unterschied in der Gesellschaft machen können. Oder es bedeutet, mit Disziplin für langfristige Ziele zu arbeiten.
Ich bin ein absoluter Freund von hohen Zielen & dem langfristigen Blick aufs Große Ganze. Ich bin sogar ein absoluter Freund von Disziplin und Ordnung in meinem Leben, weil ich weiß, dass ich so das erreichen kann, wofür auf dieser Welt bin. Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass sich harte Arbeit auszahlt, und bin dadurch absolut davon überzeugt, dass ich manchmal durch schwierige Zeiten gehen muss, damit ich am Ende etwas richtig Gutes habe, oder wachse.

Allerdings ist mir in den letzten Monaten etwas Kontroverses bewusst geworden: ausschließlich hart arbeiten macht mich nicht glücklich, sei der Sinn dahinter auch noch so groß. Ich bin nicht auf der Welt, um 24/7 nur das Vernünftige zu tun und mich für meine größere Bedeutung aufzuopfern. Viel wichtiger finde ich, dass ich die Balance finde zwischen Disziplin sowie Zielen und Spaß und Vergnügen im Leben.

Als ich nach London kam, wurde mein großer Traum wahr. Ich hatte zum ersten Mal in meinem Leben das Gefühl, so richtig das gefunden zu haben, wofür ich da bin. Mein Studiengang hier erfüllt meine innersten Wünsche und Überzeugungen zutiefst und eröffnet mir die Möglichkeit, meinen authentischen Weg zu gehen. Daher dachte ich, dass ich nun jeden Tag 24 Stunden damit verbringen muss, hart zu arbeiten, und alles zu lernen. Nach 2-3 Monaten täglich um 6 Uhr aufstehen und den ganzen Tag in Isolation studieren, um wirklich nichts auszulassen, war ich jedoch ausgeknockt. Ich hatte kaum noch positive Emotionen und an manchen Stellen fing ich sogar an, mein Studium abzuwerten, weil alles andere darunter irgendwie liegen blieb. Schnell war mir klar, dass es so nicht weitergehen könne und so machte ich mir über die Weihnachtsferien in der Heimat Gedanken, wie es denn in Zukunft weitergehen solle, damit ich das Beste aus meinem Studium herausholen kann und trotzdem meine Lebensfreude nicht verlieren würde unter dem Fokus auf meinen Sinn im Leben.

Ich setzte mich hin, schrieb auf, welche Aktivitäten mir Freude bereiten, was ich an London liebe, was ich aus meiner Zeit hier holen möchte, und hielt so fest, was ich in den verbleibenden 6 Monate machen würde, um wieder ein bisschen mehr Balance in mein Leben zu bringen. Das Universum schickte mir passender Weise dazu einen Menschen, der mich dabei unterstützen würde.

So kam ich also im Januar wieder in London an mit dem Vorhaben, am Tag nur noch höchstens 6 Stunden vor meinem Laptop zu sitzen und mehr rauszugehen, London zu erkunden, England zu erkunden, London’s kulturelle und akademische Vielfalt auszunutzen und auch öfters einfach mal die Seele baumeln zu lassen.
Hannah, die zufälligerweise in meinem Studentenwohnheim wohnt, war (und ist) (nicht nur deshalb) ein Geschenk des Himmels. Obwohl wir uns schon seit Anfang des Studiums kannten, verbrachten wir bis Weihnachten nur manchmal Zeit zusammen, vor allem weil ich einfach oft Nein zu Aktivitäten sagte. Sie nahm mir das nie krumm, oder versuchte mich zum Gegenteil umzustimmen. Trotzdem war unsere Freundschaft in der Zeit nicht annähernd so tief wie sie seit Januar ist. Schon über die Weihnachtsferien schrieb ich ihr, dass ich ab dem neuen Jahr mehr mit ihr erleben möchte, dass ich so viel Lust auf Theaterbesuche und Erkunden und (tatsächlich!) Feiern habe. All das, was ich mir vorher größtenteils nicht erlaubt habe, weil ich immer dachte, dass ich so hart für mein Studium arbeiten muss, war jetzt meine größte Sehnsucht.

Und so fingen wir direkt im Januar an mehr zu unternehmen, jeden Monat einen Tagesausflug an einen unbekannten Ort in England zu machen, und abends mehr wegzugehen. Ich würde sagen, wir haben seitdem die perfekte Balance aus Fleiß und Spaß im Leben gefunden. Manche Tage sitzen wir lange zusammen in der Bibliothek, und an anderen gehen wir bis nachts um 4 weg und hängen am nächsten Tag durch.
Ich gönne mir immer öfter einfach mal nichts zu tun und die Seele bei guter Musik oder einem guten Buch baumeln zu lassen, und bin auch in den letzten Monaten nicht mehr um 6 Uhr morgens aufgestanden. Natürlich gibt es trotzdem manchmal Tage, an denen ich mich stresse, weil ich denke ich müsse mehr für mein Studium machen oder disziplinierter sein, um meine langfristigen Ziele zu erreichen. Aber dann versuche ich mir zu sagen, dass ich eben auch nur dann wirklich Alles geben kann, wenn es mir gut geht. Und ehrlich gesagt geht es mir, seitdem es diesen Shift gab, so gut wie noch nie. Ich liebe mein Leben und stehe fast jeden Morgen mit absoluter Lust auf den Tag auf. Schwierige Tage gibt es natürlich trotzdem manchmal, und ich glaube auch, dass es völlig essentiell ist, diese zu haben, damit ich zu meinem Kern zurückkehre und die guten wieder umso mehr zu schätzen weiß.

Mein Leben hat die Balance zurück und dafür möchte ich auch für alle Menschen auf dieser Welt plädieren: Nehmt euch Zeit für die Dinge, die euch glücklich machen. Erlaubt euch, jeden Tag für ein paar Stunden etwas zu tun, was euch eure Lebensfreude gibt, egal wie produktiv es ist. Behaltet eure Vision im Blick, aber seid nicht zu streng mit euch. Seinen tieferen Sinn zu finden ist am Ende auch nur ein Ausdruck von Glück, genauso wie die Verbundenheit zu Anderen und der Spaß am Leben. Und das ist, worum es letztendlich geht: zurückzuschauen und glücklich gewesen zu sein.

PS: Danke, Hannah, dass es dich gibt. ❤

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