2018: Ein Jahresrückblick

Schon wieder ein Jahr rum. Ich weiß noch, wie früher immer alle Erwachsenen sagten, die Zeit gehe so schnell rum, und ich verstand es nie. Ewig hat es gedauert, bis ich wieder Geburtstag hatte oder endlich in die 6. Klasse kam. Jetzt verstehe ich es.
Gefühlt hat 2018 gerade erst begonnen. Ich kann mich noch genau an die ersten Tage des Jahres erinnern, an die ‚Vorsätze‘, die ich mir nahm, obwohl ich Neujahrsvorsätze eigentlich blöd finde. Ich kann mich noch genau erinnern, wie ich etwas an meinem Leben in London ändern wollte, wie ich die letzten Monate dort richtig schön machen wollte, und dann keine Ahnung hatte, was danach kommt. Und jetzt ist schon wieder so viel passiert, dass ich manchmal nicht glauben kann, dass das wirklich nur ein Jahr war. Gefühlt gab es nicht eine Woche, in der sich nicht etwas Grundlegendes geändert hat. Manchmal fühlt sich mein Leben viel zu schnell an. Und deshalb ist es mir so wichtig zurückzugucken und zu verstehen, was ich alles erlebt habe und wie es mich geprägt hat. Ich möchte zurückschauen, aber nicht auf das typische „Äußere“ im Leben, wie Wohnortwechsel, Beziehungsstatus, und so weiter, sondern was es mit mir gemacht hat. Also, legen wir mal los…

Was sich 2018 verändert hat

Puh, eine ganz schön umfangreiche Frage! Von außen betrachtet hat sich so einiges geändert; war ich Anfang des Jahres noch vergeben, habe ich doch den größten Teil des Jahres als Single verbracht. Ich hab den Master in London abgeschlossen, oder zumindest die Vorlesungen, bin vorübergehend zu meinen Eltern gezogen, hab mein erstes eigenes Auto bekommen :), bin dann wieder nach Hamburg zurückgekehrt, hab nach ein paar harten Wochen eine Traumwohnung gefunden, einen Nebenjob auf dem Wochenmarkt ergattert und mich nach und nach wieder in Hamburg eingelebt. Innerlich hat dieses Jahr so einiges mit mir gemacht. Ich habe glaube ich so gut wie alle Emotionen in einer Intensivität durchlaufen, dachte manchmal ich schmeiß alles hin, war im nächsten Moment hammer dankbar für mein Leben. Ich glaube, ich habe wirklich noch nie vorher so gelitten, aber war auch noch nie vorher so stolz. Nicht den klassischen Weg zu gehen und immer wieder zu hinterfragen, was mein Herz denn eigentlich möchte, ist die beste Entscheidung, die ich bisher getroffen habe, aber es kostet mich auch oftmals einige Nerven. Dazu gleich mehr 😉 Was sich 2018 am Allermeisten verändert hat, ist meine Beziehung zu mir selbst. All diese Höhen und Tiefen haben mich unglaublich nah an mich selbst gebracht und mir einen guten Schub Selbstbewusstsein verpasst 🙂 das möchte ich nicht mehr missen.

Was mich traurig gemacht oder verärgert hat

Der Ein oder Andere mag jetzt vielleicht denken, was so ein Abschnitt in einem Blog, der sich auf die guten Dinge im Leben konzentriert, zu suchen hat. Aber nichts Gutes im Leben gibt es ohne die zugehörigeren Herausforderungen. Und ehrlich gesagt möchte ich auch ein bisschen ermutigen, dass es sich immer lohnt, weiterzukämpfen.
Die ersten paar Monate des Jahres hatte ich sehr mit Einsamkeit und Sehnsucht nach meinen Freunden und meiner Familie in Deutschland zu kämpfen. Ich hatte in London ein paar wundervolle Menschen um mich herum, und trotzdem hat es mir sehr zu schaffen gemacht, so weit weg von zuhause zu sein. Noch dazu war ich fast einen Monat lang krank und daher ein bisschen zur Isolation gezwungen. Nachdem diese Erfahrung vorbei war, erwischte mich die Angst vor dem, was denn nach London kommen würde. Ich fühlte mich, als gehörte ich nirgendwo richtig hin, wusste nicht, was ich möchte: wieder zu meinen Eltern ziehen, Göttingen, Hamburg? Ich hatte Angst, die falsche Entscheidung zu treffen. Zusätzlich habe ich teilweise sehr mit Bürokratie und Verwaltungskram zu tun gehabt, dachte zwischendurch ich müsse mein ganzes Studium abbrechen und hatte keine Ahnung, wie ich eine große Menge Geld wuppen sollte.

Nachdem der Sommer in der Heimat wunderschön war, war es doch erstmal wieder ungewohnt, zurück nach Hamburg zu kommen, wo das soziale Umfeld wieder aufgebaut werden musste. Den halben August und September saß ich eigentlich isoliert in einer Ein-Zimmer-Wohnung, die ich zur Untermiete hatte, und schrieb irgendwie meine letzten 5 Hausarbeiten fürs Studium fertig. Dazu war ich auf der Suche nach einer dauerhaften Bleibe, was sich in Hamburg nicht gerade als einfach erwies. Ich glaube, diese Zeit war die schwierigste, und ich erinnere mich noch genau an einen Dienstagnachmittag, an dem ich einfach nicht mehr weiter wusste und mit Papa am Telefon tierisch anfing zu weinen. Das war der Tiefpunkt. Ab da ging es bis auf ein paar kleine Herausforderungen nur noch bergauf.

Was mir Freude bereitet hat

So vieles! Hannahs und meine Zeit in London ab Anfang diesen Jahres, die wohl für immer unvergessen bleibt. Unsere Ausflüge in England, unsere Erlebnisse in London, die Zeit zusammen. Meine wundervollen Kommilitonen und all diese unglaublich tollen Menschen, die mir im letzten Jahr begegnet sind und auf einer tiefen Ebene so nah sind. Mich selbst in meinem Studium so ausdrücken zu können, genau das gefunden zu haben, das mich bewegt. Eine Menge Sport – Zumbakurse in London, meine Rückkehr zum (Yin-)Yoga, meine Liebe zum Schwimmen, die ich wiederentdeckt habe. Das ganze traumhafte Wetter und der Sommer, der so ein richtiger Sommer war. Mit den ganzen Tag draußen sein (und wenn das bedeutete mit dem Laptop auf der Terrasse zu sitzen), fast jeden Tag ins Freibad oder an den See zu fahren, immer mit dem Fahrrad hin und herzufahren. Die ganzen Reisen: Paris, unser Trip mit dem VW-Bus durch Südengland, Österreich, Spanien, Kopenhagen, und wie mich all diese Ort fasziniert haben. Die Freiheit, von überall meine Unisachen fertig machen zu können. Überhaupt die Freiheit wählen zu können, wo ich sein möchte. Unendlich viele tiefe, lange Gespräche mit tollen Menschen, die mich immer wieder aufs Neue inspiriert haben. Diese ganzen wundervollen Menschen, die ich kenne, die irgendwo auf der Welt sind. Der Job auf dem Markt, den ganzen Tag draußen zu sein, das einfache Leben. Gitarre zu lernen. Eine neue Sprache zu lernen. Endlich mit richtiger Freude Englisch zu sprechen. Ganz viele Wandertouren mit Papa, vor allem die zum Sonnenaufgang. Jetzt zur kälteren Jahreszeit die Sauna. Hier in Hamburg einen Schwimmverein gefunden zu haben und das buddhistische Zentrum. Mir hier ein Leben aufgebaut zu haben, was mich so richtig erfüllt. Mein Mitbewohner. Unsere Dachterrasse. Hamburg! Die Spaziergänge am Hafen. Früh aufstehen und trotzdem den ganzen Tag das machen können, was ich möchte. Freiheit. Selbstverwirklichung. Selbstbestimmung 🙂

Was mich bewegt hat

Wie schon vorhin gesagt, habe ich dieses Jahr sooo viel gefühlt. Ich kann mich nicht daran erinnern, vorher jemals so oft geweint oder Gänsehaut gehabt zu haben. Ich habe das Gefühl, mein Herz hat sich so richtig geöffnet in den letzten Monaten. Manchmal muss ich mir das noch bewusst „erlauben“, gerade wenn ich das Gefühl habe, dass Andere das komisch finden, aber irgendwie ist es so schön. Was ist das Leben schon, wenn wir nicht so richtig emotional dabei sind?! Ein paar Momente, die mich so richtig bewegt haben:

Anfang des Jahres hatte ich ziemlich dollen Liebeskummer und bin durch Zufall auf dieses Buch gestoßen, das mir unfassbar durch diese Zeit geholfen hat. Es hat mich so sehr berührt, weil ich mich so verstanden gefühlt habe.

Als ich im März so krank war, hat mir Hannah eine Suppe gekocht und ein Care-Paket vorbeigebracht. Gerade weil ich mich in dieser Zeit so allein gefühlt habe, war es großartig, so fern von zuhause jemanden zu haben, der einem hilft.

Der erste richtige Frühlingstag im April! Ich weiß noch, ich bin morgens um 6 raus, zum Sonnenaufgang spazieren gegangen, und weil ich so begeistert war, habe ich mir direkt ein Kleid und Birkis angezogen, obwohl es eigentlich noch viel zu kalt war. Hannah und ich saßen den ganzen Tag draußen in einem Café in Shoreditch und haben die Sonne genossen. Zum perfekten Ausklang haben wir uns noch ein Piercing in einem außergewöhnlichen Studio stechen lassen 🙂

Das Lebensgefühl in Paris! Diese Genießermentalität hat mich so inspiriert und mich nochmal ein Stück weitergebracht in der Entwicklung aus der Essstörung raus.

Dass so viele wundervolle Leute meinen Geburtstag mit mir in London gefeiert haben, dass mein bester Freund extra aus Deutschland rübergeflogen ist, und dass Papa zu Besuch kam am Wochenende danach.

Der Abschied in London. Aus meinem Tagebuch (11/06/18): „The lectures yesterday were again so beautiful and I had some beautiful conversations with Paul and Katherine, and got to know some really cool people, Lilliana and David. It feels so unreal to leave London today ‚forever‘ and I think it will take a while to realize that I’m not coming back. I’ve never expected that, but it’s actually hard to leave London today. I am endlessly grateful for all the experiences and all the connections I have made. I think sometimes we need those ends to realize how blessed we are and where the magic lies. London definitely treated me with a lot of magic.“

Der Sommer in der Heimat, die Nähe zu meinen Eltern, mich irgendwie zuhause nochmal neu erfinden zu können.

Papas unermüdliche Unterstützung in jeder schwierigen Situation. Er kam sogar Ende August nach Hamburg für ein Wochenende, als mir so richtig die Decke auf den Kopf gefallen ist. Er hat wie bei jedem anderen Umzug keine Sekunde gezögert, als ich ihn um seine Hilfe gebeten habe.

Die montäglichen Skype Calls mit meiner Freundin Hazal aus England, an denen wir uns immer wieder gegenseitig motivieren und vorantreiben. Ich gehe jedes Mal mit so einer Riesen Energie daraus!

Dieser Moment, als Romi, eine laaangjährige Freundin, in Hamburg zu Besuch war und wir uns gegenseitig gesagt haben, dass wir unsere Trauzeuginnen werden.

Eine Nacht in London im November. Als wir stundenlang zu zweit dort saßen und geredet haben. Als du noch mit mir auf meinen Bus gewartet hast. Als du mir dann „Sunny“ geschickt hast, nachdem wir uns verabschiedet haben.

Verliebt zu sein. So richtig. Mit Schmetterlingen im Bauch und Vermissung bis sonst wohin. Mit den krassesten Emotionen. Und dir das in einem Brief gesagt zu haben.

Heiligabend. War für mich immer ein etwas schwieriger Tag, doch dieses Jahr einfach nur wunderschön. Wir waren zusammen in der Kirche, haben uns bedeutungsvolle, nicht materielle Dinge geschenkt und hatten dann nach dem Abendessen die wunderschönsten Gespräche. Die unendliche Verbindung mit meinen Eltern.

Ein Gespräch mit meiner Chefin gestern auf der Arbeit. Wir saßen im Bulli und sie war so ermutigend, dass ich meinen Weg gehe und einfach vertrauen soll.

Außerdem habe ich meine große Liebe zur Musik wiederentdeckt, und seitdem ich mir meine Noise Cancelling-Kopfhörer Anfang des Jahres gekauft habe, laufe ich selten ohne rum. Meine absolute Lieblingsliste dieses Jahr war diese und George Ezra wird mich wohl für immer an unseren Roadtrip im Mai erinnern 🙂

Was ich mitnehme 

So viel, das passiert ist und so viel, das mich verändert hat. Vor allem nehme ich aber den Glauben mit, dass am Ende immer alles gut wird, dass sich alles so fügt, wie es soll und dass es das Wichtigste ist, immer bei mir selbst zu bleiben. Ich weiß, dass schwierige Zeiten sich immer auszahlen und dass man alles schaffen kann, wenn man denn nur selbst dran glaubt. Vor allem nehme ich eine riesengroße Lust aufs Leben mit. 

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Alexander Raue sagt:

    Die Zeit vergeht wirklich sehr schnell. Allerdings kann man nsch dem Studium das Tempo selber bestimmen und dann freut man sich auf den nächsten Monat, den nächsten Tag und die nächste Minute. Ich bin gespannt, wo es dich 2019 hintreibt.

    Viele Grüße aus Gran Canaria,
    Alexander

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    1. Kira sagt:

      Das hast du schön gesagt: am Ende entscheiden wir selbst, wie unser Leben aussieht. Ich bin ebenfalls gespannt 🙂

      Lass es dir gut gehen auf Gran Canaria!
      Alles Liebe, Kira

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