Master fertig! Und jetzt?

Einige Male fragte mich meine Mama, ob ich nicht mal wieder einen Blogeintrag schreiben wollte. „Ich hab im Moment nicht so den Elan dafür“, versuchte ich ihr zu erklären. Aber eigentlich war das nur ein weiteres Symptom eines Gefühls, das mich nach Abgabe der Masterarbeit eingeholt hatte: Antriebslosigkeit. Sehnsucht nach Entspannung, Geborgenheit, Gewohntem. Zeit für mich.

Es ist nun fast zwei Monate her, dass ich meine Masterarbeit eingereicht habe. Die Masterarbeit, an der ich insgesamt über ein Jahr saß. Der krönende Abschluss von 1,5 Jahren Studium in London, das ich geliebt habe. Das mich angetrieben hat. So sehr, dass ich in 1,5 Jahren an einer Hand abzählen kann, wie viele Tage ich nichts für die Uni gemacht habe.

Nachdem ich meine Masterarbeit abgegeben hatte, war genau noch ein Tag übrig, und dann ging es nach Bali. 3 Wochen Bali, das war ein Traum, den ich mir am allerersten Tag des Masters als Belohnung festhielt, sollte ich bestehen, und den ich mir nun erfüllte. Ich fuhr Ende Januar an einem Dienstagnachmittag nach Berlin, von wo am nächsten Tag der Flieger starten sollte. Ich kam dort an, es war 16 Uhr und um 18 Uhr sollte ich eine Freundin bei der Arbeit abholen, bei der ich dann nächtigte. Ich setzte mich in ein Café, zog meine Jacke aus, schaute in die Karte, bestellte mir eine heiße Schokolade. Und dann saß ich da, das erste Mal seit 1,5 Jahren ohne ein To do in meinem Kopf, mit absoluter Freiheit. Ich schwor mir, dass ich mich die nächsten drei Wochen uneingeschränkt belohnte. Mir alles gönnte worauf ich Lust hatte, mir selbst keine Limits setzte, worin ich doch so gut war. Ich wollte einfach mal wieder so richtig genießen, Kraft tanken, neue Energie sammeln.

Als am nächsten Tag um 10 Uhr der Flieger startete, konnte ich mein Glück kaum fassen, und war unfassbar dankbar. Die 3 Wochen Bali waren genau der Traum, den ich mir vorgestellt hatte. Ich hatte endlich mal wieder dieses Gefühl von Leichtigkeit, ich war in der Lage mich treiben zu lassen, das Hier und Jetzt zu genießen, war unfassbar positiv gestimmt. Ich habe mich selbst von einer Seite gesehen, die ich vorher noch nie so gesehen habe. Habe unfassbar tolle Menschen kennengelernt, Sonne en masse getankt, und das schönste Essen überhaupt gegessen. Habe mir sogar ein Tattoo stechen lassen, ein Symbol, das mich für immer an diese Leichtigkeit erinnern sollte. Und ich schwor mir, mich in Deutschland nicht gleich in ein Vollzeit-Beschäftigtenverhältnis zu stürzen, sondern mir Zeit zu geben, um meinen eigenen Weg zu finden.

Genau das erzählte ich auch meinen Eltern an dem Tag, an dem ich landete. Ich strahlte sie an und war so voller Überzeugung, dass alles so gut werden würde, wie ich mir das auf Bali ausgemalt hatte. Meine Eltern hatten, so wie auch nie zuvor, keine Zweifel an meinem Weg und versprachen mir von Anfang an, komplett hinter meiner Entscheidung zu stehen (Danke Mama & Papa, ohne euch würde ich wohl nicht so mutig sein!).

Die nächsten Tage kam ich langsam wieder in Hamburg an, und genau wie der überraschende Frühling für ein paar Tage im Februar langsam verging, so verging auch mein Optimismus und wurde von Zweifeln überrannt. Ich wurde von einer hohen Zahlung überrascht, plötzlich war mein Konto ordentlich im Minus, ich hatte keinerlei Einnahmen in Aussicht, genauso wenig wie einen Job. Zusätzlich wusste ich, dass ich Ende des Monats aus meiner jetzigen Wohnung musste und hatte plötzlich Zweifel. Zweifel, die ich so in der Form schon kannte: ich wusste nicht so richtig, wo ich hingehörte.

Ich erinnere mich an den Donnerstag, kurz nachdem ich wieder in Deutschland gelandet war: von himmelhochjauzend zu zu Tode betrübt in 5 Tagen, saß ich auf einer Bank am Schiffsanleger am Fischmarkt, versuchte irgendwie Wege zu finden, aus dieser jetzigen Situation rauszukommen, hörte Podcasts, doch Motivation war nicht zu finden. Ich entschied mich, übers Wochenende zu meinen Eltern in den Harz zu fahren. Ich wusste, Natur und Heimat würden mir helfen, wieder ein bisschen klarer zu werden. Freitag und Samstag änderte sich nicht viel an meiner Verfassung, die meiste Zeit war ich ziemlich geknickt oder weinte. Am späten Samstagnachmittag war es plötzlich so schlimm, ich hatte das Gefühl, dass so alles aus mir rausbrach, dass ein kurzer Zusammenbruch folgte. Aber zum Glück war da Papa, der mich in den Arm nahm, mir versprach, dass alles wieder gut wird. Und ab da wurde es wirklich wieder gut.

Den Sonntag startete ich mit einem Lauf in unseren Wäldern. Hatte ich eh viel zu lang nicht mehr gemacht, hatte es mir doch immer so viel Energie gegeben. Schon beim Laufen kamen mir tausend Ideen, wie ich nun meine Zukunft gestalten wollte, welche Möglichkeiten ich hatte. Ich kam wieder zuhause an, setzte mich hin und schrieb alles auf, was mir kurz vorher in den Sinn gekommen war, und ab Montag ging es los und ich ging proaktiv das Thema Zukunft an. Seitdem haben sich die Dinge ziemlich gut entwickelt: ich arbeite nun so viel auf dem Wochenmarkt, dass ich mir meinen Lebensunterhalt leisten kann (Ich liebe diesen Job, die Atmosphäre und die Menschen dort!), habe wieder angefangen 1x pro Woche mein Ehrenamt im Ronald McDonald-Haus auszuüben, habe wieder angefangen laufen zu gehen, mich für den Halbmarathon im April angemeldet, und mehr Struktur in meinen Alltag gebracht. Ich habe meinen Umzug für Ende des Monats organisiert und Pläne für die nächsten Wochen geschmiedet. Und so ganz nebenbei haben sich zwei wunderbare Türen in Richtung berufliche Zukunft geöffnet. Zwei Türen, die genau meiner Vorstellung von Selbstbestimmung und kreativer Auslebung entsprechen, und die sogar in Richtung meines Schwerpunkts in Positiver Psychologie/Coaching gehen. All das, was für mich vor 2 Wochen noch so fern und unerreichbar war, ist nun da. Und ich möchte damit Mut machen, mir selbst und euch, dass wir immer dem folgen dürfen, was unsere innere Stimme uns sagt, dass es immer Wege gibt, und dass es meist nur einen einfachen Schritt von Proaktivität bedarf, bis ein kleines Wunder geschieht. Wie es in 2 Monaten bei mir aussieht, keine Ahnung, doch im Moment bin ich ziemlich zufrieden mit dem, was gerade ist. Und da das Leben eh nie nur aufwärts oder abwärts geht, finde ich es auch okay zu wissen, dass alles ein Prozess ist, dass es gute Phasen gibt, schlechte Phasen, aber das am Ende immer alles so kommt, wie es soll.

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