Challenge Halbmarathon

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Als ich 2015 meinen ersten Halbmarathon lief, bereitete ich mich vorbildlich nach Trainingsplan akribisch darauf vor. Als der Tag dann kam und ich plötzlich die 21,1 km laufen sollte, war das eine ganz schöne Qual. Ich war nicht in so guter mentaler Verfassung und hatte mir ein paar Tage vorher auch noch die Wade verletzt. Als mich mein Kumpel Raffael nach dem Lauf dann fragte, ob wir das irgendwann nochmal machen, da war mein Gedanke: bloß nicht.

Seit einem Jahr kam mir dann trotzdem immer mal wieder der Gedanke, nochmal an einem Sportwettkampf teilzunehmen. Ich hatte Lust mal wieder auf etwas hinzutrainieren und wollte mich selbst mal wieder challengen. So richtig konkret setzte ich es aber nicht um, bis ich Anfang des Jahres bei meinem Ehrenamt davon hörte, dass wir für den guten Zweck beim Haspa Halbmarathon in Hamburg 15 Läufer stellten. Leider waren zu dem Zeitpunkt, als ich davon erfuhr, schon alle 15 Plätze belegt. Ich vermerkte, dass ich gern einspringen würde, falls doch jemand kurzfristig ausfalle und überließ dem Schicksal die Entscheidung, ob ich es nochmal wagen solle…

Ende März bot mir dann die Leiterin des Ronald McDonald-Hauses an, einen Startplatz zu übernehmen, da ein anderer Läufer gesundheitsbedingt absagen musste. Plötzlich wurde es ernst – doch trotz ganz schön mulmigen Gefühl, ob ich denn noch genug trainieren könne, entschied ich mich, keinen Rückzieher zu machen. Ich hatte also gut 4 Wochen Zeit um mich auf die 21 km vorzubereiten. Ein ziemlich knappes Zeitfenster, aber ich war optimistisch. Ich lief ja eh regelmäßig und war mit 3-4 Sporteinheiten pro Woche im Moment auch auf einem guten Fitnesslevel.

Dass in der Zwischenzeit aber noch ein Umzug anstand, und ich auch sonst recht viel unterwegs war, hatte ich ein wenig unterschätzt, und dann machte mir eine Erkältung für fast 2 Wochen auch noch einen Strich durch die Rechnung mit dem Training. Danach hatte ich auch irgendwie gar nicht mehr so richtig Lust, viel spezifisch für den Halbmarathon zu trainieren, da in mir ganz schön große Zweifel aufkamen. Um mir nicht die Lust am Laufen zu nehmen, entschied ich mich intuitiv zu trainieren und einfach jede Woche 3 Ausdauereinheiten zu machen, die sich aus Schwimmen, Inline-Skating, Wandern, Tanzen und Laufen zusammensetzten. Es sollte Spaß machen – das war meine Devise.

Umso näher der Tag des Wettkampfs jedoch rückte, umso größer wurde meine Angst. Ich versuchte mir zu sagen, dass es ja auch nicht schlimm wäre, es nicht zu schaffen, und dass der gute Wille zähle, aber so richtig wollte das mulmige Gefühl nicht weggehen. Als es plötzlich Samstagvormittag war, und ich nur noch 24 Stunden bis zum Lauf hatte, fühlte ich mich wirklich nicht gut. Ich merkte, wie sich meine Angst es nicht zu schaffen mehr und mehr ausbreitete, und als ich meine Startnummer abholte, war es irgendwie komisch, dass alle um mich herum so wohlgestimmt waren, während ich den Tag am liebsten überspringen würde.

Ich entschied mich, Sonntagmorgen vor dem Lauf um 5:45 Uhr aufzustehen, um genug Zeit zu haben und mich gut mental vorbereiten zu können. Als der Wecker morgens klingelte, hatte ich plötzlich ein gutes Gefühl in mir. Ich machte noch eine Meditation, frühstückte in aller Ruhe und fuhr dann ganz entspannt zum Wettkampf. Irgendwie war ab dem Morgen alles nur noch gut. Ich wusste, dass ich nichts zu verlieren hatte, dass ich keine zu hohen Erwartungen an mich selbst hatte und dass ich den Lauf einfach etappenweise angehen würde – ganz nach meinem Gefühl. Als der Startschuss fiel, lief ich mit einer anderen Läuferin, die für den gleichen guten Zweck startete, gemeinsam ganz langsam los. Die ersten 10km liefen wir nebeneinander her, sprachen nicht wirklich, und doch war es schön jemanden neben sich zu haben. Als ich nach Kilometer 10 feststellte, dass ich mich noch super gut fühlte, zog ich das Tempo ein bisschen an und fühlte mich echt teilweise, als könne ich fliegen. Der Lauf war der reinste Genuss! Meine Beine waren so leicht und es war einfach nur schön, die Stimmung an der Strecke mitzuerleben und durchs wunderschöne Hamburg zu laufen. Ich sprach mir die ganze Zeit zu, dass ich es schaffe und dass es ein unglaublich tolles Erlebnis ist. Als ich ins Ziel lief, liefen mir sogar die Tränen. Ich war so unfassbar stolz und fand es so unbegreiflich schön, zu was ich in der Lage bin, wenn ich an mich glaube. Und ich habe mir geschworen, dass ich mich weniger selbst klein mache und mir mehr zutraue, und dass ich meine Kraft lebe. Und dazu möchte ich auch dich anhalten. Manchmal tut es erst weh, wenn wir aus unserer Komfortzone müssen, aber fürs Gefühl danach lohnt es sich sowas von!

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