Sich falsch fühlen

Die letzten Wochen waren zäh. Die letzten Monate eigentlich, seit ich aus Bali wiederkam, mir so klar war, dass ich mich selbstständig machen wollte und es sich dann doch im Außen irgendwie nicht „ergeben“ hat. Klar, sowas braucht Zeit. Zeit und Geduld. Eigentlich sollte es ein schöner Prozess sein, ein Prozess, des Prozesses wegen und nicht wegen des Ergebnisses, ein Prozess, den man genießt.

Geplant hatte ich meine nächsten Monate so: ich wollte mich langsam selbstständig machen, nebenbei auf dem Wochenmarkt mit einem 20 Stunden-Job meinen Lebensunterhalt verdienen und das Leben einfach mal Leben sein lassen. Sommer zelebrieren, genießen, Leichtigkeit. Bloß in mir, da sah es alles andere als leicht aus.

„Vielleicht bin ich einfach so ein Mensch, der viel Schwere empfindet“, dachte ich oft, und fühle gerade wieder einen schweren Ballast auf meinem Brustkorb, während ich das schreibe. Im Außen wurde dieser Gedanke gespiegelt. „Genieß doch einfach mal das Leben. Du hast jetzt deinen Master, lass es dir doch einfach mal gut gehen!“, hörte ich. Ja – so einfach. Schon beim Tippen merke ich, wie ironisch das ist.

Es sich einfach mal gut gehen lassen, das funktioniert nicht, wenn es sich nicht so anfühlt. Diese Impulse von außen machen es sogar noch schwerer, denn ich bekam mehr und mehr den Gedanken, etwas sei falsch mit mir. Und da wären wir auch schon beim Stichwort: sich falsch fühlen.

Ich habe nicht zum ersten Mal in meinem Leben eine Phase durchlebt, in der ich mich fühlte, wie der Schatten auf Erden. Miese Gedanken türmten sich auf und blockierten mich, manchmal ganze Tage lang. Es fällt mir schwer, das zu erzählen.
Ich habe allerdings etwas enorm Wichtiges gelernt in diesen letzten Wochen und das möchte ich mit dir teilen.

Als studierte Psychologin (seit heute auch offiziell 🙂 ) bin ich ganz gut im Analysieren, Erklären und Kommunizieren von Gedanken. Alles, was auf bewusster Ebene passiert, kann ich gut beschreiben. Und doch habe ich in den letzten Wochen gemerkt, dass da drunter irgendwie mehr steckt, dass das, was ich manchmal fühle, sich nicht auf mein Außen zurückführen lässt. Dass es auch einfach zu schmerzhaft ist, als dass ich es auf meine jetzige Lebenssituation rückschließen könnte. Also habe ich begonnen, tiefer zu schauen.

Tiefer zu schauen heißt für mich: Zeit nehmen, das zu fühlen, was da ist. Mal wirklich richtig reinfühlen, auch wenn’s schmerzhaft ist. Glaubenssätze, gerade die aus der Kindheit, scheinen so „normal“ bis man irgendwann an den Punkt kommt, dass es auch anders geht. Tiefer zu schauen heißt: auch auf unterbewusster Ebene arbeiten, sich mit dem verbinden was neben dem ganzen „Blabla“ im Kopf eigentlich nur Gutes für uns will. Tiefer zu schauen heißt: eine Form von Selbstliebe und -akzeptanz entwickeln, die es erlaubt, das zu spüren, was wirklich richtig weh tut und dann so gut mit sich zu sein, dass man aus dieser Erkenntnis mit einer neuen Perspektive herausgeht.

Die letzten Wochen waren manchmal etwas passiv. Als Mensch, der meistens eher Aktionismus als Stagnation wählt, ist es für mich ein riesiges Geschenk Geduld zu erlernen. Geduld, Ruhe, Empfangen, Sein. Weiblichkeit. Als ich an meinem 25. Geburtstag dieses Jahr aufstand, hatte ich eine Intention für die nächsten 25 Jahre: mehr ins Empfangen treten. Und dafür hat mir das Leben ganz schön in die Karten gespielt.

Ich möchte mit einem Zitat aus „The Power of Now“ von Eckhart Tolle abschließen und dir auf diesem Weg mitgeben: du bist gut, genau so wie du bist. Dein Weg ist richtig, auch wenn er sich manchmal nicht so anfühlt. Das Leben ist dafür da, dass du dich gut und glücklich fühlst, auch wenn das manchmal bedeutet, erstmal durch die Dunkelkeit zu gehen. Vertraue auf deine eigene innere Stimme, und sei gut mit dir selbst. ❤

„Surrender means that you recognize fully that you want to get out of a situation. You then narrow down your attention to the present moment without mentally labeling it. In any way, this means that there is no judgment of the now. Therefore, there is no resistance, no emotional negativity. You accept the ‚isness‘ of the moment. THAT is true surrender. Then you take action and do all you can to get out of the mud.“

In Liebe,

Kira

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