2019: Ein Jahresrückblick

Als ich am 01.01.2019 in dieses Jahr starte, habe ich Liebeskummer, den wohl schlimmsten Liebeskummer meines Lebens. Das Jahr beginnt mit zerplatzten Hoffnungen, mein Silvester ein Reinfall. Schlief vor 12 ein und wachte erst am nächsten Morgen auf – allein, in meiner Hamburger Wohnung. Zu Beginn diesen Jahres habe ich noch keinen blassen Schimmer, was mich in diesem Jahr erwarten wird. Und wenn ich jetzt zurückschaue, kann ich kaum glauben, dass so viel Schönes, aber auch Bewegendes, Trauriges, in einem Jahr passiert ist.

Januar, Februar, März: Masterarbeit, Bali, Neuorientierung

Anfang Januar reisen Papa und ich mit dem Fernbus nach Breslau, Polen, um uns auf die Spuren nach den Wurzeln meiner verstorbenen Großmutter zu begeben. Bei Schnee und frostigen Temperaten erkunden wir diese wunderschöne Stadt, die schon lange auf unserer Liste stand. So schön dieses Erlebnis ist, so bewegend ist es auch. Denn ich stelle wieder fest: Oma, du fehlst mir so sehr.

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Der Januar steht im Zeichen meiner Masterarbeit. Der Flug nach Bali am 30. Januar ist bereits gebucht und ich nehme mir vor meine Masterarbeit bis dahin fertigzustellen. Ich verbringe Tag um Tag in der Bibliothek, bin aber happy mit diesem Endspurt, diesem Herzensprojekt, das Wirklichkeit geworden ist. Am 29. Januar ist es tatsächlich soweit: Ich sitze in einem kleinen Café in Hamburg-Ottensen, korrigiere die letzten kleinen Änderungen und sende sie ein.
Einen Tag später geht es nach Berlin, wo ich bei einer lieben Freundin übernachte, bevor ich mich am darauffolgenden Morgen in dünner Sweatshirt-Jacke bei eisigen Temperaturen auf den Weg zum Flughafen mache.

Bali

Bali erwartet mich als Paradies. Nachdem ich mich 3 Jahre zuvor so in diese Insel verliebt hatte, bin ich unglaublich dankbar, drei Wochen dort verbringen zu können. Ich möchte die Eindrücke der letzten 1,5 Jahre meines Masters verarbeiten und mich auf „mein neues Leben“ danach vorbereiten. Möchte reflektieren, Pläne machen, mal richtig in mich reinhorchen. Ich verbringe eine Woche in Ubud allein, fühle mich teilweise einsam und doch wird mir so viel klar. Dann bin ich eine Woche in Canggu mit zwei lieben Freundinnen, spüre Lebensfreude und Leichtigkeit. Für die letzten Tage gehe ich in ein Silent Retreat, eine Herzensempfehlung von einer lieben Kommilitonin aus London, welches wohl die schönste Erfahrung überhaupt ist.

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Als ich aus Bali zurück komme, bin ich unendlich glücklich und feinfühlig zugleich. Ich nehme die Hektik in Hamburg doppelt wahr, spüre den Druck eine Entscheidung zu treffen: wie geht es weiter? Wo möchte ich leben? Wie möchte ich arbeiten?
Bevor ich nach Bali flug, erfuhr ich, dass ich Ende März meine bisherige WG verlassen müsse. Ein kleines Wunder jedoch bringt mich zu einem wunderschönen Ort in Hamburg, an dem ich den kommenden Sommer zelebrieren werde. Jobtechnisch entscheide ich mich erstmal weiter in Teilzeit auf dem Wochenmarkt zu arbeiten, um mir nebenbei ein klareres Bild zu machen, wie es zukünftig beruflich weitergehen soll.

April, Mai, Juni: Halbmarathon, Geburtstag, Draußen & Natur

Ich ziehe in meine neue WG etwas außerhalb der Stadt, im Grünen, im wunderschönen Hamburg-Klein Flottbek. Meine neue Mitbewohnerin und ich haben eine Herzensverbindung und es fühlt sich inmitten einer großherzigen Familie und einem historischen Haus schnell heimisch an. Ich fahre mit dem Fernbus nach Groningen, besuche meine ehemalige Dresdner Mitbewohnerin. Zwei Wochen später laufe ich meinen zweiten Halbmarathon, der mir trotz mangelnder Vorbereitung leicht fällt. Ich bin so glücklich, als ich ins Ziel einlaufe. Im Mai fliege ich nach London, treffe Menschen aus dem Studium, ziehe Schlussstriche, hab endlich keinen Liebeskummer mehr. An meinem Geburtstag einen Tag nach Rückkehr fasse ich die Entscheidung, dass im neuen Vierteljahrhundert alles ein bisschen ruhiger, passiver, langsamer werden soll.

Geburtstag

Ich verbringe diese frühen Sommermonate fast ausschließlich im Garten, liege in meiner Hängematte, lese viel, führe viele Gespräche. Ich arbeite zweimal pro Woche auf dem Wochenmarkt, bin von 5:30 Uhr bis 16 Uhr draußen. Bin allgemein fast nur draußen, und genieße diese Zeit in Ruhe, für mich, so sehr.

Juli, August, September: Graduation, eine wundersame Begegnung, ein neuer Weg

Anfang Juli treffe ich eine Entscheidung, die vorher nicht geplant war. Weil mein Körper rebelliert, beende ich meinen Job auf dem Wochenmarkt. Ich fokussiere mich auf meine Selbstständigkeit, besuche viele Existenzgründerseminare, baue Kontakte auf. Meine ersten Aufträge kommen rein und ich gebe Vorträge. Meine Entlassungsfeier in London steht an, ich fliege zusammen mit meinen Eltern dorthin. Ich stelle wieder fest, dass London mir einfach zu laut und hektisch ist. Ich empfinde trotzdem unheimlichen Stolz für diesen Weg, den ich mir selbst erarbeitet habe, der manchmal kräftezehrend und hart war, und der mir trotzdem so viel geschenkt hat. An diesem Zeitpunkt schließe ich so richtig mit dem Kapitel London ab. Als ich eine Woche später eine liebe Freundin in Leipzig besuche, geht es mir so richtig gut. Zum ersten Mal, seit ich mich erinnern kann, bin ich voller Liebe und Empathie mir selbst gegenüber und genieße mein Leben.

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Ich glaube nicht, dass es ein Zufall ist, dass ich genau jetzt jemanden wiedertreffe, der mir zuvor im Leben bereits begegnet war, aber nicht auf diese Weise. Während ich mich vorher irgendwie immer dann verliebt hatte, als ich nicht voller Güte mir selbst gegenüber war, ist es diesmal irgendwie anders, weil ich das erste Mal so richtig bei mir bleiben kann. Diese Begegnung verändert viel, sehr viel. In meinem Reflektionskalender deklariere ich den August zum „schönsten Monat meines Lebens“, denn dieser Monat ist voll von Liebe, Lebensfreude und Leichtigkeit.
Ich weiß, dass ich keine Fernbeziehung führen möchte, und so richtig handfest gibt es nichts, weshalb ich in Hamburg bleiben muss. Ich habe schon länger mit dem Gedanken gespielt, wieder näher an meiner Heimat zu wohnen, und so bewerbe ich mich auf einen Job, den ich durch Zufall entdecke, und der so ziemlich all das zu vereinen scheint, was ich suche. Mein Bauchgefühl ist nicht klar, ich quäle mich mit der Entscheidung. Als Papa und ich für eine Woche nach Obertilliach fahren, verbringe ich viel Zeit damit, abzuwägen. Ich entscheide mich schlussendlich für den Job, für das neue Zuhause, ich entscheide mich zu wagen und packe Ende September meine Sachen und fahre in Richtung Heimat.

Oktober, November, Dezember: Gemeinschaft, Heimat, Liebe

Neues-Zuhause

Seit ich im Oktober zu euch gezogen bin, hat sich ziemlich vieles in meinem Leben geändert. Und wenn ich jetzt so zurückschaue, laufen mir ein bisschen die Tränen. Ich habe manchmal das Gefühl, ich habe mich ein Stück selbst verloren. Nicht wegen euch, rein gar nicht, sondern weil das Leben hier doch ganz anders ist, als es in den letzten 2, 3 Jahren war. Ich war immer so frei, so unabhängig, so authentisch. Hier, in diesem Umfeld, fällt es mir manchmal schwer, ich selbst zu sein. Und trotzdem bin ich unendlich dankbar, für all die Liebe, die ihr mir gebt, wieder näher an meiner Familie zu sein, meine Eltern regelmäßig sehen zu können, zweien meiner engsten Freunde wieder näher zu sein. Es ist mehr das Wir-Gefühl, ein Gefühl von Gemeinschaft.
Ich hoffe nur so sehr, dass ich in all diesem wunderbaren Drumherum wieder mehr Ich sein kann, auch abseits von unseren vier Wänden, denn da kann ich es immer. Mir fehlt Leichtigkeit, mir fehlt meine Lebensfreude. Und trotzdem, weiß ich, dass das alles wieder da sein wird, und dass das alles gerade einen Sinn ergibt.

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