Mit dem Bulli durch Deutschland

Als ich am Ende meines Jahres in England mit einer Freundin mit dem VW-Bus durch Südengland fuhr, wusste ich, dass ich das nochmal machen wollte. Mir gefiel schon damals die Einfachheit des Reisens gepaart mit der Freiheit, jeden Tag aufs Neue entscheiden zu können, wo man sein möchte.

Im Bulli reisen, das ist für mich Entschleunigung, Freiheit und Natur pur. Ich liebe es, morgens direkt in der Natur aufzuwachen, den ersten Kaffee so richtig zu genießen, so ganz frei zu sein in allem was man tut, weil es kein festes Ziel gibt, keine Dinge, die zu erledigen sind, keine großen Sorgen, die man sich machen muss. Bei diesem Reisen, da bin ich ganz präsent.

Als Jan und ich am Anfang des Jahres unsere Reiseplanung für das Jahr machten, wussten wir ziemlich schnell, dass wir einmal mit einem Bulli verreisen wollen. Die erste Idee entstand bei einem Spaziergang, kurz vor Silvester, in der Wintersonne. Gut 2 Monate später besuchten wir einen Vortrag mit dem Titel „Zeit als Ziel: Seit 20 Jahren im Bulli durch Europa“ und waren noch mehr angetan. Wir suchten ein bisschen im Internet nach Möglichkeiten, einen VW-Bus zu mieten, und wurden schnell fündig.

Eigentlich sollte es Holland sein: Amsterdam, Rotterdam, Utrecht. Wir planten grob 1200km ein und freuten uns wie verrückt, als alles fest stand. Doch dann kam Corona und wir waren lange verunsichert, ob wir überhaupt losfahren könnten und wenn ja, wohin.

Glücklicherweise ergaben sich Anfang Mai die ersten Lockerungen, sodass es uns zumindest gestattet war, überhaupt loszufahren. Holland war uns aber zu heikel und so richtig war es auch nicht gestattet, dort einzureisen, als wir losfahren wollten. Also entschlossen wir uns am Wochenende vor der Reise, dass wir in Deutschland bleiben wollten. „Richtung Süden“, war unsere Marschrichtung. Mehr legten wir nicht fest.

Als wir am Montagmorgen losfuhren, schien die Sonne und es standen ein paar frühsommerliche Tage bevor. Dies kam uns natürlich vollends zugute, da unser Raum mit Dach über dem Kopf ja begrenzt war. Aber genau sollte es auch sein: wir wollten so wenig Zeit wie möglich drinnen, stattdessen den ganzen Tag draußen an der frischen Luft und in der Natur verbringen.

Nachdem wir am ersten Tag rund 2 Stunden fuhren, kamen wir kurz hinter der hessischen Grenze im ländlichen Bayern an. Wir wussten von Anfang an, dass es keine Möglichkeiten gab, auf einem Campingplatz zu stehen und suchten nach schönen Plätzen zum Wildcampen. In Deutschland gibt es ein paar Regeln, wenn man Wildcampen möchte. Wenn man sich jedoch an geeignete Stellen stellt und sorgsam mit allem umgeht, gibt es eigentlich keine großen Probleme – so war unsere Erfahrung in dieser Woche. Wir schliefen auf Wald- oder Wanderparkplätzen, auf einer Einbuchtung mit einem Panoramablick auf einem Berg, auf einem Parkplatz vor einem Waldsee. Nirgends gab es ein Problem, wir hinterließen aber natürlich jeden Ort so, wie wir ihn vorgefunden hatten.

Nach unserer ersten Nacht machten wir am zweiten Tag einen kurzen Stop im wunderschönen Würzburg, das uns beide wirklich positiv überraschte, bevor wir dann am Abend in der Nähe von Ulm am Eingang zu mehreren, wunderschönen Seen übernachteten. Zusätzlich fanden wir an diesem Abend durch Zufall einen wunderschönen kleinen Italiener, bei dem wir unser einziges Essen „auswärts“ genossen.

Am dritten Tag kamen wir im Unterallgäu an, und damit auch an unserem „Ziel“, bevor es wieder Richtung Heimat gehen sollte. Da wir nur 1200km fahren durften, mussten wir ein bisschen darauf achten, nicht zu weit zu fahren. Für das nächste Mal haben wir uns vorgenommen, die Kilometer ein bisschen großzügiger zu planen. Nach einem wunderschönen Tag mitten im Wald, an dem wir nichts Anderes machten, als entschleunigen, lesen, spazieren, essen, schliefen wir in dieser Nacht tief und fest und wachten am nächsten Morgen super erholt auf! Das war tatsächlich die einzige Nacht, in der ich so richtig tief schlafen konnte. Umso mehr genoss ich dann am Morgen eine Runde Yoga direkt in den Bergen, während Jan mit unserem Campingkocher unser Frühstück zubereitete.

Die letzten zwei Tage verbrachten wir dann im Thüringer Wald. Wir fuhren diesmal über Landstraßen und durch Dörfer und genossen den Einblick, den wir dadurch in die Gegend bekamen. Durch Zufall fanden wir einen Kiessee, in den wir sprangen und unsere zweite „Dusche“ in dieser Woche zelebrierten, bevor wir am Abend mit einer Runde Kniffel und einem Wein in Jans Geburtstag reinfeierten.

Wenn ich an diese Zeit zurückdenke, dann fühle ich pure Glückseligkeit und Frieden. So sehr mein Kopf normalerweise an ist, so wunderbar konnte ich während dieser Tage abschalten. Ich merke immer mehr, wie mich die Einfachheit des Lebens auf so eine Weise erfüllt, wie ich jeden Tag, jede Mahlzeit, jede Erfahrung viel mehr wahrnehme und zelebriere.

Wir haben uns auf jeden Fall vorgenommen, ganz bald wieder auf diese Art und Weise zu reisen, und vielleicht irgendwann unseren Traum von einem eigenen Bulli zu erfüllen. Bis dahin wird jede Tour auf seine Weise einzigartig und unvergesslich sein.

Mit viel Liebe und Sonnenschein,

Kira

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