Der Intuition folgen

Als ich heute Morgen Instagram öffnete, erschien ganz oben ein Post meiner Freundin Ariane. „What if life was less about „achievements“ that look good on paper? What if it was about listening to your intuition and learning to follow what feels right?“
Der Post lies mich inne halten. Auf die eigene Intuition zu hören ist etwas, das ich mir seit Jahren bewusst vornehme. Obwohl ich früh gelernt habe, Entscheidungen rational abzuwägen, habe ich festgestellt, dass es die intuitiven Entscheidungen waren, die sich im Nachhinein als „wahre“ Entscheidungen gezeigt haben. (Anmerkung: Ich verzichte bewusst auf das Wort „richtige“ Entscheidung, da ich meine Entscheidungen nicht als richtig oder falsch bewerten möchte.) Wenn ich mich jedoch entschieden habe, auf meine Intuition zu hören, dann kam ich an einen Ort, an dem ich entweder eine tiefe Grundzufriedenheit gespürt habe, oder das Gefühl hatte, in eine Richtung zu wachsen, die mich mehr zu dem bringt, was ich sein möchte – manchmal auch beides.

Trotzdem war und ist es immer eine bewusste Entscheidung, auf die Intuition zu hören. Ich habe als Kind gelernt, Szenarien immer rational abzuwägen, und die Konsequenzen bereits vor der Entscheidung zu bedenken. Dies kann sehr förderlich sein, das bewusste auf die Intuition hören aber manchmal erschweren. Da ich glaube, dass es nicht nur mir so geht, möchte ich heute gern von meinen Erfahrungen erzählen und Wege teilen, die mir helfen, um herauszufinden, was mir meine Intuition sagt und wie ich auf sie hören kann.

Intuition ist etwas Abstraktes, das sich auf verschiedene Weisen definieren lässt. Wenn ich von Intuition spreche, dann meine ich eine Stimme in mir, eine Weisheit, die einen Anstoß in eine Richtung gibt, die ich rational möglicherweise nicht nachvollziehen kann. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Intuition selten eine laute, sich aufdrängende Stimme ist, sondern eine geduldige, sanfte Stimme. Während mein Ego zum Beispiel wie ein kleines, mürrisches Kind versucht, mich so schnell es geht in eine Richtung zu drängen, ist meine Intuition zwar konstant vorhanden, versucht jedoch in keinster Weise eine schnelle Entscheidung zu erzwingen.

Und damit wären wir schon bei dem ersten Punkt, den ich gern thematisieren möchte: Woher weiß ich, ob meine Intuition wirklich diesen einen Weg vorschlägt?
Als ich in Erwägung zog, meine Arbeitszeit auf 30 Stunden zu verkürzen, hatte ich immer wieder diesen Impuls, dass mir eine 4-Tage-Woche gut tun würde. Ich hatte diesen Gedanken über längere Zeit häufiger und griff ihn auch in verschiedenen Gesprächen auf, trotzdem drückte er sich nie so aus, dass ich das Gefühl hatte, nur auf diese Weise glücklich sein zu können. Manchmal habe ich den Eindruck, dass Dinge, bei denen wir meinen, dass wir sie unbedingt zu unserem Glück brauchen, nicht immer förderlich für unser Glück sind. In meinem Fall jedoch zögerte ich sogar einige Male, ob ich meine Arbeitszeit wirklich reduzieren wolle, „weil ich es ja nicht unbedingt brauchte“. Und trotzdem hatte ich so ein tiefes, beruhigendes Gefühl, wenn ich in Momenten der inneren Klarheit, zum Beispiel während oder nach einer Meditation, an diesen Weg dachte. Ich glaube, dass Meditation eine wundervolle Möglichkeit ist, sich mit der eigenen Intuition zu verbinden. In dem Moment, in dem ich inne halte und es in mir still wird, erfahre ich, wonach ich mich wirklich sehne. Dann habe ich das Gefühl zu verstehen, was meine Intuition möchte.

Gleichzeitig habe ich, besonders in hektischen Phasen, einen sehr lauten Kopf, der mir alles zunichte reden kann. Hier komme ich zu Punkt 2: Woher weiß ich, dass meine Intuition den „wahren“ Weg vorschlägt?
Ich würde behaupten, dass rationale Entscheidungen, also Entscheidungen mit dem Kopf, auf zwei Fundamenten beruhen. Erstens, die Erfahrungen, die wir bisher in ähnlichen Situationen gemacht haben mit der Erwartung, dass es wieder ähnlich sein wird. Zweitens, die Stimmen aus dem Außen – der Rat der Eltern, des*r Partner*in, von Freund*innen, Kolleg*innen, Bekannten. Meist spielt, zumindest bei mir, auch Angst eine große Rolle – Angst vor dem Unbekannten. Nun ist die Frage, ob dies gute Berater*innen sind, wenn wir Entscheidungen treffen. Ich glaube, dass es unmöglich ist, immer alle Szenarien abzuwägen. Wir denken, dass wir die Kontrolle haben, wenn wir alle möglichen Konsequenzen in Erwägung ziehen. Ich habe jedoch die Erfahrung gemacht, dass unsere Intuition manchmal Dinge weiß, die wir rein aus dem Kopf nicht erkennen können. Oft haben sich Veränderungen gezeigt, die auf rationaler Ebene niemals hätten geplant werden können. Darüber hinaus stellt sich die Frage, ob wir aufgrund unserer Erfahrungen immer die Zukunft „vorhersehen“ können. Sicherlich kann eine Entscheidung auf der Basis einer vorherigen Entscheidung zu einem erwarteten Resultat führen, darauf verlassen können wir uns jedoch nie. Ich glaube sogar, dass Entscheidungen auf Basis von Kontrolle, die vielleicht aus einer Angst resultieren, uns nicht dorthin führen, wo wir sein wollen.
Zudem glaube ich, dass es nicht immer förderlich ist, auf die Stimmen aus dem Außen zu hören. Ich möchte damit nicht sagen, dass die Menschen in unserem Leben keine positive Intention haben, wenn sie uns einen Rat geben. Aber: sie stecken nicht in unseren Schuhen und können die Situation nur von außen betrachten. Dabei sind gleichzeitig individuelle Erfahrungen sowie bestimmte Rollen von Bedeutung: oft wollen unsere Eltern zum Beispiel, dass wir in Sicherheit sind, aus der Intention, dass sie uns lieben. Vielleicht ist die Sicherheit aber nicht immer die Strategie, die uns dorthin bringt, wo wir sein möchten. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es für mich gut ist, gezielt den Rat von 2-3 Personen einzuholen, bei denen ich das Gefühl habe, dass sie sich in die Situation hineinversetzen können und mir einen liebevollen Impuls geben. Hole ich mir den Rat von mehreren Leuten ein, vielleicht auch aus Unsicherheit, verunsichert mich das häufig noch mehr und erschwert mir, auf meine Intuition zu hören. Ich glaube jedoch, dass das intuive Gefühl immer aus Liebe agiert und Gutes für mich möchte, und entscheide mich daher für die Intuition aus Liebe anstatt für die rationale Entscheidung aus Angst.

Abschließend möchte ich noch auf konkrete Wege eingehen, die mir helfen, mich mit meiner Intuition zu verbinden:

  1. Ich versuche immer so gut es geht, auf das erste Bauchgefühl zu hören, wenn es um eine Entscheidung geht. Auch wenn ich es mir im Nachhinein oft zunichte reden kann, so hat mir dieses Bauchgefühl in der Erfahrung den „wahren“ Weg aufgezeigt.
  2. In Zeiten vor einer Entscheidung versuche ich, mir viel Zeit für mich zu nehmen. Ich gehe spazieren, fahre mit dem Zug oder Auto an neue Orte, gehe in die Natur, treibe Sport. Ich habe das Gefühl, dass ich mich in diesen Momenten unfassbar gut mit mir selbst verbinden kann und dadurch die Stimme der Intuition eher höre.
  3. Ich glaube, dass die Intuition nur dann zu Wort kommen kann, wenn wir ausgeglichen und innerlich ruhig sind. Dies ermöglichen mir Yoga und Meditation. Daher nehme ich mir in diesen Phasen bewusst Zeit für meine Praxis und entwickle oft eine Routine.
  4. Besonders in Zeiten, in denen ich mehrere starke Stimmen in mir habe, die für unterschiedliche Entscheidungen plädieren, versuche ich zu verstehen, in welcher Situation welche Stimme auftritt. Wann entsteht eine Entscheidung aus Ausgeglichenheit und Vertrauen, wann vielleicht aus Angst und dem Verlangen nach Kontrolle? In welche Richtung tendiere ich, wenn es mir gut geht?
  5. Ich versuche ganz bewusst, in Qualitätsgesprächen mit nahestehenden Personen neue liebevolle Perspektiven einzunehmen. Dabei ist es wichtig zu wissen, wer mich wirklich gut kennt und mir bestimmte Verhaltensweisen aufzeigen kann. Oft habe ich intuitiv schon eine oder zwei Personen im Sinn, die mir in dieser Situation zur Seite stehen können. Ich versuche, Raum und Zeit für ein ausgiebiges Gespräch zu schaffen.

Ich glaube, dass es immer ein Prozess sein wird, auf die eigene Intuition zu hören. Es gibt Phasen im Leben, in denen wir mehr mit einer liebevollen Stimme in uns verbunden sind, und Phasen, in denen uns das schwerer fällt. Das letzte, das ich mit diesem Artikel vermitteln möchte, ist der Druck, immer die „wahre“ Entscheidung treffen zu müssen. Ich glaube aber, dass es unglaublich bereichernd ist, sich mit der eigenen Intuition zu verbinden.

Ich würde mich sehr freuen, eure Gedanken und Erfahrungen zu diesem Thema zu hören. Während des Schreibens habe ich festgestellt, wie herausfordernd es sein kann, über dieses abstrakte Thema zu sprechen. Umso schöner fänd ich es, den Austausch darüber zu verstärken.

Ich schicke euch Liebe und wünsche euch einen wunderschönen Tag,

eure Kira

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