2020: Ein Jahresrückblick

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Eigentlich hatte ich dieses Jahr nicht geplant einen Jahresrückblick zu schreiben. Dieses Jahr war komisch, schwierig – ich hatte nicht das Gefühl, dass es in dieser Zeit etwas Inspirierendes zu berichten gab. Doch vielleicht ist es das, was ich gerade am meisten lerne: dass ich auch dann etwas teilen kann, wenn es für mich unerheblich scheint. Vielleicht geht es in diesem Jahr ganz besonders darum, das Menschliche zu zeigen und auf diese Weise zusammenzurücken. Ich für meinen Teil zumindest bin vor allem durch die Menschen inspiriert, die in dieser Zeit für Menschlichkeit einstehen und ihre Gedanken verletzlich und mutig teilen.

Vermutlich wird das ein etwas anderer Jahresrückblick als die Jahre zuvor, da ich ihn nicht strukturiert habe und ihn spontan, ungefiltert, aus meinem Kopf niederschreibe, aber vielleicht möchte ich auch genau das vermitteln.

Als wir in dieses Jahr starteten, hatte ich einen großen Wunsch. Doch dann kam 2020 und wurde so ganz anders, als wir es erwartet haben. Ganz andere Themen wurden plötzlich zentral und von Bedeutung.

Ich bin dankbar, dass ich in diesem Jahr ein Zuhause hatte, in dem ich mich wohlfühle

In diesem Jahr bekamen die eigenen vier Wände oder das, was wir Zuhause nennen, eine neue Bedeutung. Ich weiß um mein Privileg, in einer Wohnung zu leben, die sich nach Zuhause anfühlt. Das war vorher oft anders. Ich erinnere mich an Zeiten, in denen ich in WGs gewohnt habe mit (manchmal) fremden Menschen. Was ich damals mein Zuhause nannte, fühlte sich häufig gar nicht so an. In diesem Jahr hätte mich das ziemlich traurig gemacht und, da bin ich mir sicher, das Gefühl von Einsamkeit verstärkt. In diesem Jahr war es das Größte für mich, dass ich unseren kleinen Hund jeden Tag um mich hatte. Dass ich einen Raum habe, in den ich mich zurückziehen kann und in dem ich ganz ich selbst sein kann. Dass wir nah an der Natur wohnen, sodass ich immer, wenn mir danach ist, ins Grüne gehen kann. Ich bewundere all die Menschen, die 2020 in kleinen Wohnungen verbracht haben, ganz allein. Ich habe starkes Mitgefühl mit denjenigen, die sich zuhause nicht wohlfühlen, die vielleicht sogar in Gefahr sind. Ich habe größten Respekt vor denjenigen, die nicht das Privileg haben, ein festes Zuhause zu haben.

Vieles, was vorher von Bedeutung schien, ist mir plötzlich nicht mehr wichtig

Dieses Jahr war von viel Zeit allein geprägt, von Reflektion und Introspektion. Ich habe als introvertierter Mensch naturgemäß ein sehr lebhaftes Innenleben, doch dieses kam in diesem Jahr noch viel mehr zum Ausdruck. Ich habe viel gelesen, mir mehr Meinung zu Politik und Gesellschaft gebildet. Ich habe gelernt, mehr für mich einzustehen. Ich merke, wie ich in Gesprächen nicht mehr immer der ruhige Part bleibe, sondern mehr von meinen Ansichten teilen möchte. Ich merke, dass es mir wichtiger wird, über Ungerechtigkeiten zu sprechen. Gleichzeitig habe ich in diesem Jahr etwas Wichtiges gelernt: ich möchte es nicht mehr immer allen recht machen, sondern denen, die mir wirklich wichtig sind. Ich möchte es mir selbst recht machen und mir selbst loyal bleiben, bevor ich andere an erste Stelle packe. Ich kann mehr von mir selbst zeigen und lerne, wie sehr die Qualität meiner engen Beziehungen wächst, wenn ich mich ganz und mit meinen Ecken und Kanten zeige.

Mein größtes Ziel ist zu einem Weg geworden, den ich begonnen habe, zu gehen

Ich habe seit Jahren den Wunsch, selbstständig zu sein. In diesem Jahr habe ich ihn mir erfüllt. Dafür bin ich dankbar und darauf bin ich stolz. Und gleichzeitig hat dieser Weg gerade erst begonnen, weil es irgendwie auch ein Weg der persönlichen Entwicklung ist und ein Weg, auf dem ich ganz viel lerne. Ich bin nicht mehr so überenthusiastisch wie vorher, sondern gehe den Weg bedachter, lasse mir Zeit. Ich lerne, dass ich nicht alles gleichzeitig machen muss, was mir Freude bereitet, sondern dass genügend Zeit vorhanden ist, um Dinge in Ruhe anzugehen. Ich lerne, dass es nicht immer darum geht, so schnell wie möglich an meinem Ziel anzukommen, sondern den Weg dorthin so bewusst wie möglich wahrzunehmen. Ich lerne Menschen kennen, die mich inspirieren, und andere, deren Ansichten ich nicht teile. Ich lerne, dass das alles okay ist.

Ich bin ein anderer Mensch geworden als zu Beginn des Jahres

Jedes Jahr entwickeln wir uns weiter und verändern uns. Wir lernen neue Menschen kennen, nehmen sie ein Stück auf unserem Weg mit, vielleicht länger, vielleicht auch gar nicht. Jedes Jahr bringt seine ganz eigenen Erkenntnisse und Erinnerungen mit. Und doch war dieses Jahr irgendwie besonders intensiv. Gesellschaftlich hat sich so viel getan, es ist so vieles passiert. Dass das niemanden so richtig kalt lässt, ist für mich ein Zeichen von Menschlichkeit. Ich glaube, dass wir dieses Jahr mit mehr Mitgefühl uns selbst und anderen gegenüber begegnen. Ich glaube, dass uns dieses Jahr geprägt hat, persönlich und gesamtgesellschaftlich. Ich hoffe, dass wir durch diese Zeit zusammenrücken und unseren Blick auf das Wesentliche richten.

Zum Schluss möchte ich gern vier Erkenntnisse aus diesem Jahr mit euch teilen.

Seid gut zu euch selbst und zu Anderen und denkt daran, dass ihr nicht immer sehen könnt, was euer Gegenüber gerade durchmacht. Begegnet einander mit Geduld und Respekt.

Sagt den Menschen, die ihr liebt, einmal mehr, wie sehr ihr sie wertschätzt. Nehmt euch Zeit füreinander.

Richtet euren Blick auf das Wesentliche im Leben.

Tut mehr von dem, was euch wirklich gut tut und weniger von dem, was ihr nur tut, um es irgendjemandem recht zu machen.

Wie fühlt ihr euch jetzt zum Ende diesen Jahres? Was nehmt ihr ganz persönlich aus diesem Jahr mit?
Danke, dass ihr euch die Zeit genommen habt, von mir zu lesen.

Alles Liebe,
Kira

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